„Der Winter mutt sien Tiet hebben."

Heimatliche Kunst und gelebte Traditionen auf Schloss Clemenswerth

Heimatliche Kunst und gelebte Traditionen auf Schloss Clemenswerth

Ausstellung mit Winterbildern, Tunscheren, Winterhornblasen und Neujahrskuchen

Mit der Ausstellung „Der Winter mutt sien Tiet hebben“ öffnet das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth in Sögel einen besonderen Blick auf den Winter, auf regionale Bräuche und auf eine Kunst, die tief in der Landschaft und im Lebensgefühl des Hümmlings verwurzelt ist.

Im Pavillon Clement August treffen eindrucksvolle Winterfotografien der Schlossanlage, fragile Tunscheren als Zeugnisse eines fast vergessenen Neujahrsbrauchs und das Engagement der Heimatvereine aus Sögel, Wippingen und Berßen aufeinander. 

Dr. Christiane Kuhlmann, Direktorin des Emslandmuseums Schloss Clemenswerth, dankte besonders den Vertreterinnen und Vertretern der Heimatvereine, „denen wir die Vorstellung der Winterbräuche und dieser wunderbaren Tunscheren zu verdanken haben“.

Die Fotografien von Georg Schröer, Rudolf Stricker und weiteren Fotografen zeigen stille Wege, gefrorene Wasserflächen und die besondere Klarheit der Anlage im Winter und betonen, wie intensiv und bewundernswert man sich hier mit der Jahreszeit und der Anlage auseinandersetzt. „Die Bilder machen froh und glücklich und auch ein bisschen stolz auf das, was hier ist und was hier noch werden kann“, so die Museumsdirektorin. 

Der Ausstellungstitel sei bereits im September entstanden, erzählte Kuhlmann – verbunden mit der Hoffnung, dass der Winter sich auch zeigen möge. „Dass der Winter uns so ernst genommen hat, wie er es jetzt tut, und uns seine ganze Pracht und Kraft zeigt, sehe ich wie ein Geschenk“, sagte sie. Der Winter werde hier nicht als bloße Jahreszeit verstanden, sondern als prägender Teil der regionalen Identität.

Heimat als Gefühl – nicht als Museumsvitrine

In ihrer Rede ging Dr. Kuhlmann ausführlich auf den Begriff Heimat ein. Auch wenn Schloss Clemenswerth kein klassisches Heimatmuseum geworden sei, habe diese Ausstellung sehr viel mit Heimat zu tun. „Heimat ist etwas anderes als ‚zu Hause‘“, erklärte sie. Während das Zuhause ein Ort sei, sei Heimat ein Gefühl: „Heimat hat mit Mitgefühl zu tun. Mit Kleinigkeiten, die geteilt werden und unverrückbar sind.“

Heimat ermögliche Verwurzelung, einen wohlwollenden Blick auf Details und eine Begeisterung, die sich nicht immer erklären lasse. Gerade diese Perspektive sei für ein Museum wichtig – ebenso wie die Frage, wie Traditionen weiterwirken und sich verändern.

Die Tunschere: gelebte Tradition statt Bewahrung

Ein zentrales Element der Ausstellung ist neben den Winterbildern die Tunschere, ein Neujahrsbrauch, der traditionell zu Dreikönige gepflegt wurde und außerhalb des Hümmlings kaum bekannt ist. „Als ich vor einem Jahr gefragt wurde, ob ich wüsste, was eine Tunschere ist, dachte ich zunächst an ein Werkzeug“, erinnerte sich Kuhlmann. Erst später habe sie verstanden, dass es sich um einen Brauch mit guten Wünschen handele. Dass dieser Brauch heute wieder sichtbar wird, sei vor allem dem Engagement der Heimatvereine zu verdanken.
 
„Der hier ausstellende Heimatverein Wippingen und weitere Vereine konservieren Traditionen nicht, sie tragen sie weiter“, betonte die Museumsdirektorin. Gerade deshalb seien sie nach vorne gerichtet und von großer Bedeutung für die kulturelle Zukunft der Region. Klaus Abeln vom Heimatverein Wippingen erklärte, dass das Überbringen der Tunschere ein schöner Brauch sei, um Freunden, Bekannten oder Nachbarn eine Freude zu bereiten. 

Mit ihren Middewinterhörnern begleiteten Heiner Meiners und Horst Schulte die Ausstellungseröffnung. Vor dem Schloss Clemenswerth, das sich bei Sonnenschein im besten Winterkleid präsentierte, sorgten sie mit verschiedenen weithin hörbaren Musikstücken auf dem schwer zu bedienenden Instrument für Begeisterung bei den Gästen. Wie Meiners erklärte, bedeute der Name „Middewinterhorn“ eigentlich „Weihnachtshorn“.

Regional verwurzelt, überregional offen

Als Regionalmuseum sehe sich Schloss Clemenswerth sowohl lokalen als auch überregionalen und internationalen Traditionen verpflichtet. „Das heißt nicht, dass wir das Lokale aus dem Blick verlieren wollen – ganz im Gegenteil“, sagte Kuhlmann. Ohne das Wissen und die Arbeit der Menschen vor Ort wäre die historische Anlage nie entstanden.
 
Nach der Ikonen-Ausstellung aus dem Atelier von Kapuzinerpater Franz Beer im vergangenen Jahr sei „Der Winter mutt sien Tiet hebben“ bereits die zweite Ausstellung, die bewusst den Fokus auf das lege, „was es hier in Sögel und auf dem Hümmling lohnt, in den Blick zu nehmen“. 

Einladung zum Verweilen, Schauen und Begegnen

Zum Abschluss lud Dr. Kuhlmann die Gäste ein, die Ausstellung nicht nur zu betrachten, sondern zu erleben: „Platz zu nehmen, Tee zu trinken, sich zu unterhalten und zu verweilen“. Dazu passten auch die Neujahrskuchen, die der Heimatverein Sögel live buk und anbot. Die Damen des Vereins zeigten nicht nur, wie die Kuchen – auch Hörnchen genannt – hergestellt werden, sondern präsentierten auch historische Backeisen aus vergangenen Zeiten.

Die Ausstellung ist sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Ein besonderer Höhepunkt erwartet die Besucherinnen und Besucher am 22. Februar, wenn die Heimatvereine aus Wippingen und Berßen vor Ort zeigen, wie Tunscheren aus Holunderholz gefertigt werden und in der Schlossküche traditionelle Buchweizenpfannkuchen entstehen. 

„‚Der Winter mutt sien Tiet hebben‘ ist mehr als eine Ausstellung – sie ist eine Einladung, heimische Kunst, gelebte Tradition und den Winter auf Schloss Clemenswerth mit allen Sinnen zu erfahren“, betonte Dr. Kuhlmann zum Abschluss ihrer Einführung. 

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken

Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.  


08. Februar 2026

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