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  • 20.09.2026
Meppener Grundschullehrkräfte erkunden das neue „Blaue Klassenzimmer“ am Bullerbach

Was lebt eigentlich am Grund eines Baches? Mehr als 30 Lehrkräfte der Meppener Grundschulen gingen dieser Frage bei ihrer jährlichen Fortbildung im Netzwerk Naturpark-Schulen auf den Grund – und wurden dabei selbst zu Forschern.

Bei den Fortbildungen geht es traditionell darum, neue Natur- und Kulturangebote kennenzulernen und Ideen zu entwickeln, wie sich Lehrinhalte mit Erlebnissen draußen verbinden lassen. Wie gewohnt wurde das Prinzip gleich praktisch ausprobiert: Statt im Seminarraum ging es ins neue „Blaue Klassenzimmer“ am Bullerbach, direkt im Umfeld der Grundschulen Versen und Esterfelder Forst.

Marlon Braun von der Fischereibiologischen Station Ems-Hase hatte Kescher und Bestimmungsliteratur dabei. Gemeinsam wurde untersucht, was sich im „Rauschenden Bach“ verbirgt. Flohkrebse, Egel, Muscheln und zahlreiche weitere Kleinstlebewesen landeten in den Untersuchungsschalen. Braun demonstrierte, wie an unterschiedlichen Stellen eines Gewässers gekeschert wird. Denn jeder Bereich bietet andere Lebensbedingungen: Manche Tiere leben im Boden, andere heften sich an Pflanzen oder finden im Totholz ihren Lebensraum.

„Man muss das Auge dafür entwickeln“, erklärt der Fischbiologe. Was zunächst wie Sand oder unscheinbare Pflanzenreste aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als erstaunlich vielfältige Lebensgemeinschaft.

Die Lehrkräfte waren sichtlich fasziniert – und genau diese Begeisterung lässt sich hervorragend auf Kinder übertragen. „Die Suche auch nach größeren Tieren begeistert die Kinder“, erzählt Braun. Anfangs komme bei manchen noch ein „Iiih!“, doch die Scheu sei schnell vergessen, wenn immer wieder ein neues Tier entdeckt wird. Ein Flohkrebs springt durch die Schale, ein kleiner Egel schlängelt sich durch das Wasser – und schon sind die Kinder mitten im Forschen.

Dabei geht es nicht nur um den Spaß am Entdecken. Anhand der kleinen Bewohner des Gewässergrundes lässt sich auch etwas über den Zustand eines Baches lernen. Bestimmte Arten kommen beispielsweise bevorzugt in sauerstoffarmen Gewässern vor. So wird aus dem Keschern ganz nebenbei eine anschauliche Einführung in die Gewässerökologie.

Wie wichtig naturnahe Gewässer und Auen für die biologische Vielfalt sind, erläuterten Anja Seibert und Cornelia Leigers vom Projektteam „EmsLand – Auenentwicklung an der Ems zwischen Salzbergen und Dörpen.“ Viele Auen im Emsland sind heute stark verändert. Entlang der Ems entstehen deshalb im Rahmen dieses emsländischen Förderprojektes des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ neue Lebensräume: Laichgewässer für Fische, Stillgewässer für Amphibien und naturnah gestaltete Zuflüsse.

Zwölf Maßnahmen sind bereits umgesetzt, rund 37.000 Quadratmeter zusätzliche Gewässerfläche wurden geschaffen. Auch am Bullerbach wurde vom Projektteam eine Auenlandschaft angelegt. Auf einer ehemaligen Ackerfläche sind eine naturnahe Laufverlängerung des Bullerbachs sowie mehrere Tümpel entstanden. In dem hier eigens für Umweltbildungszwecke errichteten „Blauen Klassenzimmer“ können die Lehrkräfte künftig mit ihren Schülern die Aue erkunden.

Für die Naturpark-Schulen sind solche Orte besonders wertvoll. Silke Hirndorf und Andreas Rakers vom Naturpark ergänzten die Ausführungen und zeigten den Lehrkräften, wie sich die heimische Flora und Fauna vor Ort erforschen lässt und welche Unterrichtsideen daraus entstehen können. Weitere Informationselemente und Begleitmaterialien für Schulen sind geplant. Auch die Lehrkräfte sind eingeladen, sich mit Ideen einzubringen.

Aus dem Fortbildungstag könnte beispielsweise eine Schnitzeljagd entstehen, bei der Schülerinnen und Schüler selbst auf Entdeckungsreise gehen: Welche Tiere leben im Bach? Welche Pflanzen wachsen am Ufer? Und was verraten die kleinen Bachbewohner über ihren Lebensraum?

Denn genau darum geht es beim Netzwerk Naturpark-Schulen: Natur soll nicht nur aus Büchern oder im Klassenraum vermittelt werden. Kinder sollen ihre Umgebung selbst entdecken, Zusammenhänge verstehen und dabei Wertschätzung für die Lebensräume vor ihrer Haustür entwickeln.

Dass dieses Prinzip nicht nur bei Kindern funktioniert, zeigte sich an diesem Fortbildungsnachmittag eindrucksvoll. Eigentlich sollte zum Abschluss noch das geplante Update zum aktuellen Sachstand aus den Naturparken präsentiert werden. Doch dazu kam es aus Zeitgründen nicht mehr. Zu spannend waren die Draußenerlebnisse.

Das Sachstands-Update wird schriftlich nachgereicht. Denn manchmal ist ein Bach voller Leben einfach spannender als die nächste Präsentation.
www.naturpark-moor.eu

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken


Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.  

20. September 2026