Hilflos im Nebel …

Wie das wilde Moor einen einsamen Wanderer in die Irre führte

Wie das wilde Moor einen einsamen Wanderer in die Irre führte

Jan Herbert Harbers (1783 - 1859) war ein verarmter Heuermann aus Klein Hesepe. Er lebte in einer Scheune, daher wurde er „Schüren Herbert“ genannt. Mit Frau und Kindern wollte er um 1820 dem Elend zu entkommen. So zog er als kleiner Pächter über die Grenze nach dem noch unbesiedelten niederländischen Nieuw-Schoonebeek. Seine Wohnung lag im Osten nahe der Staatsgrenze. Deshalb hieß er jetzt “Schuuren Herbert van’t Oosten“. 

Am Tag vor Pfingsten – das Jahr ist nicht überliefert – machte er sich auf den zwanzig Kilometer langen Weg von Nieuw-Schoonebeek nach Hesepe. Ein Moordamm führte über den Twister Bült weiter in Richtung Groß Hesepe. Der Kirchturm von St. Nikolaus zeigte ihm am Horizont des weiten und baumlosen Moores das Ziel.  

Weil die Twister Mühle defekt war, hatte Harbers zwei Säcke Korn auf eine breiträdrige Schubkarre gepackt. Das Getreide sollte in Hesepe gemahlen werden. Er kam auch richtig an, ließ das Korn mahlen und feierte den Abend vor Pfingsten mit Verwandten.  

Am Pfingstmorgen erfüllte er seine kirchlichen Pflichten und aß noch im Elternhaus zu Mittag. Dann machte Jan Herbert sich mit seinen Mehlsäcken auf den Rückweg. Wieder schritt er den einsamen Moordamm entlang. Je nach Armkraft und Untergrund schob oder zog die Schubkarre. 

Auf der Hälfte des Weges verspürte er eine verständliche Müdigkeit. Er legte sich ins Heidekraut nieder und schlief ein.

Als er erwachte, war dichter Abendnebel im Moor hochgekrochen. Jetzt wusste er doch verflixt nicht mehr, ob er die Karre zuletzt geschoben oder gezogen hatte!

Im grauen Nebel war keinerlei Orientierung möglich.  

Also packte er auf gut Glück die Griffe der auf dem Moorpfad stehenden Schubkarre und schob diese voran.

Das war ein Fehler, wie er nach zwei Stunden merkte: Harbers kam am späten Abend wieder im düsteren Hesepe an, wo er am Nachmittag losgezogen war! 

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken

Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.  

Logo Emsland-Kurier ©EL-Kurier.JPG
Horst Heinrich Bechtluft
08. März 2026