Die Kunsthalle Lingen als kulturelles Zentrum im Emsland
Als kulturelles Projekt aus der Entwicklungsstrategie des Emslandplans ist die Kunsthalle heute ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Kunstvermittlung in der Region. Sie bereichert das kulturelle Leben, zieht Besucher an und stärkt das Image des Emslands. Die Entstehung der Kunsthalle ist direkt auf die Initiativen des Emslandplans zurückzuführen, der die Ansiedlung und Förderung kultureller Institutionen als Motor der regionalen Entwicklung vorsah.
Mit der Eröffnung erhielt der Kunstverein Lingen einen eigenen Ausstellungsraum. Doch die Ausstellungstätigkeit begann bereits viel früher:
Seit der Gründung des Kunstvereins 1983 kuratierte dessen Leiter Heiner Schepers regelmäßig bedeutende Ausstellungen im Foyer des Theaters an der Wilhelmshöhe. Darunter waren Highlights wie Johannes Brus’ „Skulpturen und Zeichnungen“ (1985), Leiko Ikemuras „Von der Wirkung der Zeit“ (1988), Harry Kramers „Ein Frisör aus Lingen“ (1990) und Liz Bachhubers „Domestic Passions“ (1993).
„Das Theaterfoyer war ein gut bespielbarer Ort, aber letztlich nur der Pausenraum des Theaters. Und Theaterbesucher sind nicht zwangsläufig kunstinteressiert“, erinnert sich Schepers, der 1997 die Leitung der neuen Kunsthalle übernahm.
Seine Nachfolgerin Meike Behm ergänzt: „Es waren hochkarätige Ausstellungen mit renommierten internationalen Künstlern, doch es war peinlich, ihnen nur das Theaterfoyer als Ausstellungsort bieten zu können – ein Raum, in dem die Werke meist nur nebenbei in der Pause betrachtet wurden. Es fehlte ein gezielter Ort für Kunstinteressierte.“
Da die Förderung zeitgenössischer Kunst und Kunstvermittlung zu den zentralen Aufgaben des Kunstvereins gehört, war diese Situation langfristig unbefriedigend. Schepers sah den Ausweg im Bau einer Kunsthalle. Glücklicherweise stand die Stadt Lingen stets hinter dem Kunstverein und war offen für die Idee.
Das größte Problem war die Suche nach einem geeigneten Raum. Der Durchbruch kam, als die Stadt beschloss, die leerstehende Halle IV des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks umzubauen und neu zu nutzen.
Auf rund 700 Quadratmetern entstand die Kunsthalle mit einer Deckenhöhe von etwa zwölf Metern – ideal, um auch großformatige zeitgenössische Werke zu präsentieren und eine offene, luftige Atmosphäre zu schaffen.
„Seit 1997 verfügt der Kunstverein über ein mehr als angemessenes Ausstellungshaus und damit eine professionelle Basis für seine Ausstellungen. Hier ist vieles gelungen, was zuvor undenkbar war“, sagt Schepers und verweist auf Ausstellungen mit Werken von Alfred Hrdlicka (1998), Vollrad Kutscher (2000) und Rune Mields (2005). Die Kunsthalle Lingen avancierte zum Geheimtipp in der Provinz – Besucher kamen nun auch aus Bremen, Münster und Osnabrück, und der Ruf der Kunsthalle reichte bis nach Berlin und München. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der „Lingener Kunstpreis“, mit dem der Kunstverein seit 1983 junge Künstlerinnen und Künstler fördert.
Meike Behm, die seit 2009 die Leitung innehat, sieht ihre Aufgabe darin, „den hervorragenden Ruf der vom Kunstverein Lingen getragenen Kunsthalle durch ein anspruchsvolles Programm mit national und international bekannten Künstlerinnen und Künstlern auszubauen. Hervorzuheben sind unter anderem die Ausstellungen von Marjetica Potrč "New Citizenships" (2009), Thea Djordjadze "our full" (2013) und Ian Kiaer "Endnote, ping" (2019).
Zugleich ist es ihr ein Anliegen, auch noch nicht etablierte Künstlerinnen und Künstler mit ersten institutionellen Einzelausstellungen zu fördern.
Neben den Ausstellungen bietet die Kunsthalle vielfältige Kunstvermittlung – von Veranstaltungen und Aktionen für Kinder und Jugendliche über die Konzertreihe „Junge Virtuosen“ bis hin zur Veranstaltungsreihe „Philosophie in der Kunsthalle“. So wird die Kunsthalle zu einem offenen Haus für alle. „Hier kann man wirklich viel bewegen“, sagt Behm.
Emslandliebe – Gestern. Heute. Morgen.
Das Themenjahr 2025 rund um das Jubiläum „75 Jahre Emslandplan“ ist eine Serie aus Erzählungen in Kooperation mit der Emsländischen Landschaft, der Emsland Tourismus GmbH und des Emsland-Kuriers.







