Lotta, Resi, Laura und Gerd haben an diesem Nachmittag einiges zu tun. Drei Bentheimer Landschafe und ein Schwarzkopfschafmix stehen auf dem Familienhof geduldig da, weil sie den Umgang mit Menschen gewohnt sind. Sie lassen sich kraulen und beobachten aufmerksam, was um sie herum geschieht. Rund 30 Lehrerinnen und ihre Schulleitungen der Geester Grundschulen sind zu Besuch auf dem Hof Brüning – und lernen heute selbst einmal etwas über Schafe.
„Leise, langsam und lieb“ lautet die Devise von Verena Brüning, als sich die Gruppe den Tieren nähert. Wer Schafe kennenlernen möchte, braucht vor allem Ruhe. Beim Kraulen beginnt eines der Tiere schließlich zu kauen. Warum eigentlich? Die Antwort kommt anschaulich und mitten aus dem Leben der Tiere: Schafe sind Wiederkäuer. Weil sie hier Menschen gewohnt sind und sich wohlfühlen, halten sie beim Kraulen ganz ruhig. Die Lehrerinnen beobachten, probieren aus und erfahren ganz nebenbei, was hinter dem Verhalten der Tiere steckt. Hier wird nicht nur erzählt, sondern erlebt.
Seit gut einem Jahr bietet Verena Brüning mit ihrem Team den Familienhof als Exkursionsort für die Meppener Naturpark-Schulen an. Dafür hat sie eine bauernhofpädagogische Ausbildung bei der Landwirtschaftskammer absolviert. Das Anliegen des ehemaligen Milchviehbetriebes mitten in Meppen ist es, mit seinen Angeboten eine Brücke zwischen Hofleben, Tieren und Menschen zu schlagen. Um Begegnungen zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen und Zeit an einem Ort zu schenken, dessen Platz, Tiere und Möglichkeiten so viel bewirken können.
Und davon gibt es reichlich: Pferde, Ponys und deutsche Miniaturesel gehören ebenso zur Hofgemeinschaft wie verschiedene Arten von Schafen, drei stammen aus der Bretagne. Hängebauchschweine, viele unterschiedliche Hühnerrassen und Kaninchen leben ebenfalls auf dem Hof, in einem separaten Gehege zudem Ziegen und Damtiere.
Bevor die Lehrkräfte die Tiere kennenlernen, nimmt Verena Brüning sie mit auf eine Reise durch die Geschichte des Hofes. Sie erzählt von der früheren klassischen Landwirtschaft, und dem Nebenerwerb durch das Projekt „Urlaub auf dem Bauernhof“ und den Veränderungen durch den Generationswechsel. Vieles hat sich gewandelt – eines ist geblieben: Mehrere Generationen leben und arbeiten gemeinsam auf dem Hof. Sie erzählt davon aus dem eigenen Erleben als Tochter einer Landwirtschaftsfamilie und vermittelt ein Gefühl für die besondere Gemeinschaft auf dem Hof, in der jedes Tier seinen eigenen Namen hat. Spätestens bei den Schafen wird deutlich, was diesen Ort ausmacht. Lotta, Resi, Laura und Gerd sind keine anonyme Herde, sondern vertraute Bewohner des Hofes.
Gemeinsam mit Ina aus dem bauernhofpädagogischen Team geht es in zwei Gruppen von Station zu Station. Ernährung und Pflege, Schafschur und die Verwendung der Wolle werden ebenso thematisiert wie die Frage, warum Schafe klassische Nutztiere sind. Vor allem aber geht es um den respektvollen Umgang mit den Tieren. Die Lehrerinnen hören zu, stellen Fragen und machen mit.
Dann sind die Hühner an der Reihe. Ina verteilt Futter und Schalen – und warnt lachend vor Horst. Der Hahn sei besonders ungestüm. Tatsächlich wird auch hier schnell deutlich: Wer Tiere verstehen will, muss genau hinschauen. Und wer Kindern einen solchen Zugang ermöglichen möchte, darf sie vor allem eines: selbst ausprobieren und mit anpacken. Genau das, erzählt Verena, sei für viele Kinder ohnehin das Schönste.
Auch die Schafwolle bietet Stoff für diesen Programmteil: Warum ist sie so wertvoll? Wie wird sie gewonnen und warum muss sie gewaschen werden? Die Themen, die zuvor im Unterricht behandelt werden, bekommen auf dem Familienhof ein Gesicht – oder besser gesagt: vier Beine, Wolle und einen Namen. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auch an diesem Nachmittag. Die abschließende Fragerunde entwickelt sich schnell zu einem regen Austausch. Die Begeisterung ist spürbar. Was als Lehrerfortbildung begonnen hat, fühlt sich längst wie ein gemeinsamer Ausflug an.
Zum Abschluss gibt es noch einen aktuellen Einblick in die Arbeit des Netzwerkes „Naturpark-Schulen“ und ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten. Denn am Ende geht es um mehr als einen Besuch auf einem Hof: Kinder sollen die Natur und Kultur ihrer eigenen Heimat kennenlernen und erleben können. Der Familienhof Brüning bietet dafür einen besonderen Ort – unmittelbar, authentisch und mit allen Sinnen.
Und vielleicht ist es manchmal tatsächlich ganz einfach: Wer etwas über Tiere lernen möchte, sollte ihnen zunächst einmal ruhig, langsam und liebevoll begegnen.
Am 20. September ist Weltkindertag – und zugleich ein besonderer Tag auf dem Familienhof Brüning: Der Hof feiert sein 35-jähriges Vermietungs-Jubiläum und lädt alle dazu ein, die Entwicklung und den Familienhof kennenzulernen. Ein buntes Programm für Groß und Klein ist vorbereitet.
Informationen:
www.naturpark-moor.eu
www.familienhof-brüning.de
Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken
Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum
In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.






