Vom Maisacker zum Naturparadies: Wie Geeste neuen Lebensraum für seltene Arten schafft

Ein Gewinn für Mensch und Natur - Jury von "Bach im Fluss" war vor Ort

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  • 23.08.2026

Ein Gewinn für Mensch und Natur - Jury von "Bach im Fluss" war vor Ort

Aus einem ehemaligen Maisacker ist ein wertvoller Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen geworden. Gegenüber dem Biotop am Speicherbecken in Geeste, hat sich in kurzer Zeit eine naturnahe Teich- und Flachwasserlandschaft entwickelt.
Was vor zwei Jahren noch landwirtschaftlich genutzt wurde, ist heute ein abwechslungsreiches großes Naturareal mit Wasserflächen, Wildblumen, Sand- und Erdhügeln sowie zahlreichen Lebensräumen für Vögel, Fische und Insekten.
Möglich wurde das Projekt durch die Zusammenarbeit der Naturschutzstiftung Emsland, des Landesfischereiverbandes Weser-Ems und des Angelsportvereins Geeste.
  

Ausgangspunkt war eine rund drei Hektar große ehemalige Ackerfläche, die die Naturschutzstiftung Emsland vor etwa zwei Jahren erworben hatte. Die Fläche war aufgrund ihrer besonderen Bodenverhältnisse sehr feucht und für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung nur eingeschränkt geeignet.
 
Für die Naturschutzstiftung war diese Eigenschaft jedoch geradezu ideal, um hier einen neuen Lebensraum für heimische Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Die Überlegung entstand, die Fläche naturnah umzugestalten und insbesondere eine größere Teichlandschaft mit Flachwasserbereichen anzulegen.
 
Zur gleichen Zeit suchte der Landesfischereiverband Weser-Ems (LFV) nach geeigneten Flächen für die Anlage neuer Kleingewässer. Der Verband hatte von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung eine Förderung für ein umfangreiches Projekt erhalten, mit dem im gesamten Weser-Ems-Gebiet insgesamt 70 neue Teiche geschaffen werden sollen.
 
So entstand die Kooperation mit der Naturschutzstiftung Emsland. Diese stellte dem Landesfischereiverband die neu erworbene Fläche für die Anlage der Teichlandschaft zur Verfügung. Als örtlicher Partner wurde zudem der Angelsportverein Geeste eingebunden, der sich nicht nur praktisch an der Umsetzung beteiligte, sondern auch einen Eigenanteil an den Baukosten übernahm. 

Besonders gute Voraussetzungen bot die Lage der Fläche. Sie wird vom Grabenableiter umgeben, der über eine Strecke von rund fünf Kilometern direkt bis zur Ems führt. Dadurch bestand bereits eine Verbindung zu einem natürlichen Gewässersystem. Die sehr feuchte Fläche eignete sich deshalb besonders gut für die Anlage einer Flachwasserzone.
 
Die Planung des Gewässers erfolgte durch den Angelfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems. Nachdem der wasserrechtliche Antrag im Juni 2025 genehmigt worden war und im Juli 2025 die Finanzierungsbewilligung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung vorlag, konnten die Bauarbeiten am 4. September 2025 beginnen. Die Bingo-Umweltstiftung beteiligte sich mit 11.200 Euro an der Finanzierung, der Angelsportverein Geeste steuerte weitere 2.251 Euro bei.
 
Unter der Bauleitung des Landesfischereiverbandes entstand eine abwechslungsreiche Teich- und Flachwasserlandschaft. Dabei wurde bewusst auf unterschiedliche Wassertiefen und Böschungsneigungen gesetzt. Die Flachwasserbereiche sind zwischen etwa 0,50 und 1,50 Meter tief. Dadurch entstanden ganz unterschiedliche Strukturen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten geeignete Lebensbedingungen bieten. Vor allem für Amphibien und Fische sind die flachen und unterschiedlich gestalteten Gewässerbereiche wertvoll, da sie gute Voraussetzungen für Laichplätze und die Entwicklung des Nachwuchses schaffen. 

Die Bauarbeiten wurden am 15. Dezember 2025 abgeschlossen. Unmittelbar danach begann die Naturschutzstiftung Emsland mit der naturnahen Gestaltung der umliegenden Fläche. Der ehemalige Ackerboden wurde modelliert und in sanften Hügeln und Tälern gestaltet. Anschließend wurde zertifiziertes regionales Saatgut, sogenanntes Regio-Saatgut, ausgebracht. Bei der Aussaat wurde die Naturschutzstiftung von Mitgliedern des Angelsportvereins Geeste unterstützt. Auch das Saatgut wurde von der Naturschutzstiftung bereitgestellt.
 
Zusätzlich wurden auf der Fläche gezielt Sand- und Erdhügel angelegt. Diese dienen unter anderem als Brutlebensraum für die seltene Uferschwalbe. Und die besonderen Strukturen wurden tatsächlich schnell angenommen. Die Uferschwalben gruben ihre Brutröhren in die eigens angelegten Sandhügel und zogen dort ihren Nachwuchs groß. Damit hat sich bereits kurze Zeit nach der Fertigstellung gezeigt, wie wertvoll die naturnahe Gestaltung für die Tierwelt ist.

Überhaupt hat die Natur die neue Fläche erstaunlich schnell erobert. Die Wildblumen bieten ein reichhaltiges Nahrungsangebot für zahlreiche Insekten. Schmetterlinge, Grashüpfer und Wildbienen finden auf der blütenreichen Fläche Nahrung und geeignete Lebensräume.
Auch die Vogelwelt hat das neue Naturareal für sich entdeckt. Verschiedene Gänsearten wie Kanada-, Nil- und Graugänse wurden beobachtet. Hinzu kommen verschiedene Entenarten, darunter Trauer- und Mantelenten, sowie Zwergschwäne. Besonders erfreulich sind auch die Beobachtungen eines Eisvogelpärchens. Kiebitze haben sich ebenfalls bereits auf der Fläche eingefunden, ebenso Mauersegler. Damit ist eine bemerkenswerte Artenvielfalt entstanden, obwohl die eigentliche Umgestaltung noch gar nicht lange zurückliegt.
 
Auch im Wasser hat sich bereits Leben angesiedelt. Erste Fische (u.a. Neunaugen) haben die neu entstandene Flachwasserzone erobert. Durch die Verbindung zum Grabenableiter, der über rund fünf Kilometer bis zur Ems führt, wurde ein geeigneter Lebensraum und eine wichtige mögliche Laichstätte für heimische Fischarten geschaffen. Die Gewässerentwicklung wird vom Angelsportverein Geeste aufmerksam begleitet. Die Gewässerwarte entnehmen regelmäßig Wasserproben, die anschließend ausgewertet werden. Die bisherigen Ergebnisse sind erfreulich: Die Wasserproben sind in Ordnung. 

Für die Naturschutzstiftung und den Angelsportverein ist die neue Fläche aber nicht nur ein Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen. Sie soll auch dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen die heimische Natur näherzubringen. Bereits Schulklassen aus Dalum und die Grundschule Geeste haben sich für Projekt- und Naturtage angemeldet. Mitglieder des Angelsportvereins werden diese Veranstaltungen begleiten und den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort stehen, wenn es um Pflanzen-, Vogel- oder Fischarten geht. So kann die Fläche künftig auch als praktischer Lernort dienen und Kindern unmittelbar zeigen, wie sich Natur entwickelt und welche Bedeutung unterschiedliche Lebensräume für die Artenvielfalt haben. 

Dass das Projekt bereits jetzt besondere Aufmerksamkeit erhält, zeigt auch die Teilnahme am niedersächsischen Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss“. Der Angelsportverein Geeste hat die Flachwasserzone für den Wettbewerb angemeldet und ist damit in die engere Auswahl gekommen.

Am Dienstag, 18.08.2026, machte sich die Fachjury vor Ort ein eigenes Bild von der entstandenen Naturfläche, ihrer Entwicklung und den Besonderheiten des Projektes. Bei dem Besuch waren unter anderem die Jury des niedersächsischen Gewässerwettbewerbs „Bach im Fluss“, Abgeordnete des Landesverbandes, die stellvertretend für den Bürgermeister anwesende Kathrin Wessels, Mitglieder des Rates der Gemeinde Geeste, sowie Vertreterinnen der Naturschutzstiftung Emsland, darunter Maike Hoburg, dabei.

Für alle Beteiligten war der Besuch der Jury eine besondere Gelegenheit, die Entwicklung der vergangenen Monate noch einmal sichtbar zu machen. Denn hinter dem Projekt steht eine gelungene Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Die Naturschutzstiftung Emsland stellte eine ehemalige, für die Landwirtschaft zu feuchte Ackerfläche für den Naturschutz zur Verfügung, der Landesfischereiverband Weser-Ems brachte seine fachliche Kompetenz und die Möglichkeit der Förderung im Rahmen seines Kleingewässerprojektes ein und der Angelsportverein Geeste übernahm als lokaler Partner Verantwortung vor Ort und beteiligte sich finanziell und praktisch an der Umsetzung. 

Die naturnahe Umgestaltung hat damit in kurzer Zeit beeindruckende Ergebnisse hervorgebracht. Aus einer Fläche, die aufgrund ihrer Nässe für die Landwirtschaft eher ein Problem darstellte, ist ein abwechslungsreiches Naturareal entstanden, das zahlreiche Arten anzieht und ihnen neue Lebensräume bietet. Wildblumen blühen dort, Insekten finden Nahrung, Uferschwalben brüten in den angelegten Sandhügeln, Vögel nutzen die Wasser- und Wiesenflächen und Fische sowie Amphibien besiedeln das neue Gewässer. Gleichzeitig entsteht ein Ort, an dem Kinder und Erwachsene Natur unmittelbar erleben und mehr über die heimische Tier- und Pflanzenwelt erfahren können. 

Nun darf mit Spannung erwartet werden, wie die Fachjury des Wettbewerbs „Bach im Fluss“ das Projekt bewertet. Ob die Flachwasserzone in Geeste am Ende den Sieg erringt oder einen Platz unter den ersten drei erreicht, wird im September bekannt gegeben. Unabhängig vom Ergebnis hat die Fläche jedoch bereits einen großen Erfolg erzielt: Aus einem ehemaligen Acker ist innerhalb kurzer Zeit ein lebendiges Stück Natur geworden, das zeigt, was durch gemeinsames Engagement für den Natur- und Gewässerschutz möglich ist.
 
 
 
Text: Gina de Münck
Fotos: Marcus Isernhinke
 

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken


Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.

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Matthias Engelken
23. August 2026