FrauenWEGE – Ida Schartmann Emsbüren

  • Historische Stätte
Ein Leben für die Lehre: Ida Schartmann unterrichtete Hauswirtschaft im südlichen Emsland.
1945: Ida Schartmann hilft ihrem Vater gerade beim Dreschen, als plötzlich ein englischer Jeep auf den Beestener Hof fährt. Der Schulrat sowie ein englischer Soldat steigen aus. Sie fragen die junge Lehrerin, ob sie an der Volksschule in Schapen aushelfen will. Ida Schartmann will – trotz schwieriger Bedingungen: Schulbücher gibt es nicht, das Lesen wird mit Bibeln geübt. Brennmaterial müssen die Schüler von zuhause mitbringen. Ida Schartmann macht das Beste daraus und legt den Grundstock für eine lange Lehrerinnenkarriere.
Aufgewachsen ist sie mit ihrer Zwillingsschwester als jüngstes von sechs Geschwistern auf einem Bauernhof. Die Eltern legen Wert auf eine gute Ausbildung der Töchter. Nach der Volksschule besucht die junge Ida das Klosterinstitut in Thuine und anschließend das Lyzeum in Dingelstädt. Hier entschließt sie sich dafür, Hauswirtschaftslehrerin zu werden. Ihr ist bewusst, dass sie damit rechnen muss, im Fall einer Heirat gekündigt zu werden. Sie bleibt zeitlebens ledig.
Für ihre Ausbildung besucht Ida Schartmann mehrere Schulen, unter anderem das landwirtschaftliche Staatsinstitut in München. Dort droht ihr zeitweise die Entlassung, da sie sich weigert, in die NSDAP einzutreten. Ida ist gläubige Katholikin und steht dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber. Der Leiter des Instituts wirft ihr und zwei Mitschülerinnen vor, „ungeeignet zur Erziehung der deutschen Jugend“ zu sein. Nach den Ferien ist die fehlende Parteimitgliedschaft jedoch kein Thema mehr. Die junge Frau kann doch noch ihren Abschluss machen und kehrt ins Emsland zurück.
Herausforderungen einer Lehrerin
Nach dem Auftakt an der Volksschule in Schapen übernimmt sie 1947 die Neugründung und Leitung der Mädchenfortbildungsschule – ein schwieriges Unterfangen, da die alte Einrichtung von Unbekannten geplündert worden war. 1949 wechselt sie nach Emsbüren, wo sie für bis zu 120 Mädchen in fünf Klassen allein verantwortlich ist. Den Umzug in bessere Räumlichkeiten muss sie selbst organisieren, da dieser nichts kosten darf. Mit Schnaps, Kaffee und Kuchen gelingt es ihr, benachbarte Bauern als Umzugshelfer zu rekrutieren.
Als Lehrerin ist es ihr wichtig, begabte Mädchen zu fördern. So gründet sie eine Privatbibliothek für ihre Schülerinnen und überredet Eltern, ihren Töchtern eine Weiterbildung zu ermöglichen. 1974 schließt die Landwirtschaftliche Berufsschule in Emsbüren und Ida Schartmann wird nach Freren an die Ländliche Hauswirtschaftsschule versetzt, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1980 tätig ist. Ihre Kollegen würdigen sie nach ihrem Tod 2011 als eine zielstrebige Lehrerin, die einen bedeutenden Einfluss auf ihre Schülerinnen hatte.
 
Vollständiger Name: Ida Schartmann
Geboren: 15. November 1919 in Beesten
Verstorben: 17. Juni 2011 in Emsbüren
Beruf: Berufsschullehrerin für Hauswirtschaft
Bezugspunkt im Emsland: Kulturzentrum Fokus (ehemaliger Standort Landwirtschaftliche Berufsschule, Schulstraße 6/7, 48488 Emsbüren)

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Emsland Tourismus GmbH
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