FrauenWEGE – Ruth Foster & Emma Wolff
Zwei Jüdinnen – die eine überlebt die Shoah, die andere wird ermordet: Ruth Foster und Emma Wolff.
Ruth Foster
9. Dezember 1941: Ruth Heilbronn absolviert in Berlin eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und Krankenschwester, als sie von ihren Eltern ein Telegramm erhält – die beiden sollen gen Osten deportiert werden. Die junge Frau zögert nicht lange und fährt mit dem Zug zurück in ihre Heimatstadt Lingen. Obwohl gegen sie noch kein Deportationsbefehl vorliegt, entschließt Ruth sich, ihre Eltern zu begleiten. Die Familie wird in das Ghetto nach Riga gebracht. Dort trifft der Vater einen Bekannten, der ihm Brot ins Ghetto bringt. Die SS findet das Brot und erschießt Wilhelm Heilbronn vor den Augen seiner Frau und seiner Tochter. Ruths Mutter Caroline wird 1944 ermordet. Ruth selbst wird in das KZ Kaiserwald, später in das KZ Stutthof gebracht, bevor russische Truppen sie während eines Todesmarsches befreien.
„Als ich befreit wurde, habe ich 40 Kilo gewogen, und ich bin 1,76 Meter groß.“ – Ruth Foster
Zurück in Lingen lernt Ruth ihren späteren Mann Adolf Foster kennen. Im August 1947 zieht das Ehepaar nach London. Von 21 deportierten Juden aus Lingen ist Ruth Foster die einzige Überlebende. In späteren Jahren hilft sie dabei, die Erinnerungen an die jüdischen Familien Lingens wachzuhalten.
Emma Wolff
Die Familie Eisenstein zieht um 1906 nach Lingen. Nach dem Tod des Vaters 1922 übernimmt Tochter Emma das Textil- und Weißwarengeschäft der Eltern. Kurz darauf heiratet sie Jakob Wolff, der der letzte Vorsteher der Lingener Synagogengemeinde wird. Aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte müssen die Wolffs ihren Handel 1936 verkaufen. 1939 wird ihr Wohnhaus in ein „Judenhaus“ umgewandelt und mehrere jüdische Familien werden hier zwangsweise einquartiert. Jakob Wolff stirbt 1941 – möglicherweise eine Spätfolge einer mehrwöchigen Internierung im KZ Buchenwald.
Im Juli 1942 wird auch Emma Wolff deportiert. Josefa Frommen, geb. Möddel, sieht sie noch einmal am Lingener Bahnhof. Später berichtet sie: „Die Bahnhofshalle war gerappelt voll. In dem Gewühl entdeckte meine Mutter ein bekanntes Gesicht. ‚Ach, da ist ja Frau Wolff‘, sagte sie und ging auf diese zu. ‚Sprechen Sie nicht mit mir, Frau Möddel, es könnte Ihr Unglück sein‘, flüsterte Frau Wolff. ‚Wir wissen nicht, was aus uns wird und wohin wir gefahren werden.‘“ Emma Wolff wird zunächst nach Theresienstadt und zwei Jahre später nach Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich im Juli 1944 in der Gaskammer ermordet wird.
Vollständiger Name: Ruth Foster, geb. Heilbronn
Geboren: 14. November 1921 in Lingen
Verstorben: 5. August 2014 in London
Eltern: Wilhelm Heilbronn (Viehhändler, † Mai 1942), Caroline Heilbronn, geb. Grünberg († 1944)
Position: Holocaust-Überlebende, Zeitzeugin
Vollständiger Name: Emma Wolff, geb. Eisenstein
Geboren: 7. Juli 1878 in Büren
Verstorben: Juli 1944 in Auschwitz
Eltern: Abraham Eisenstein (Textilhändler, 1841-1922) und Friederike Vogelsdorf (1853-1920)
Beruf: Textilhändlerin
Bezugspunkte im Emsland: ehemaliges „Judenhaus“, in dem die Familien Wolff und Heilbronn einquartiert waren (Marienstraße 4, 49808 Lingen); Jüdischer Friedhof mit Gedenktafel Ruth Foster und Gedenkstein Emma & Jakob Wolff (Weidestraße 31, 49808 Lingen)
Ruth Foster
9. Dezember 1941: Ruth Heilbronn absolviert in Berlin eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und Krankenschwester, als sie von ihren Eltern ein Telegramm erhält – die beiden sollen gen Osten deportiert werden. Die junge Frau zögert nicht lange und fährt mit dem Zug zurück in ihre Heimatstadt Lingen. Obwohl gegen sie noch kein Deportationsbefehl vorliegt, entschließt Ruth sich, ihre Eltern zu begleiten. Die Familie wird in das Ghetto nach Riga gebracht. Dort trifft der Vater einen Bekannten, der ihm Brot ins Ghetto bringt. Die SS findet das Brot und erschießt Wilhelm Heilbronn vor den Augen seiner Frau und seiner Tochter. Ruths Mutter Caroline wird 1944 ermordet. Ruth selbst wird in das KZ Kaiserwald, später in das KZ Stutthof gebracht, bevor russische Truppen sie während eines Todesmarsches befreien.
„Als ich befreit wurde, habe ich 40 Kilo gewogen, und ich bin 1,76 Meter groß.“ – Ruth Foster
Zurück in Lingen lernt Ruth ihren späteren Mann Adolf Foster kennen. Im August 1947 zieht das Ehepaar nach London. Von 21 deportierten Juden aus Lingen ist Ruth Foster die einzige Überlebende. In späteren Jahren hilft sie dabei, die Erinnerungen an die jüdischen Familien Lingens wachzuhalten.
Emma Wolff
Die Familie Eisenstein zieht um 1906 nach Lingen. Nach dem Tod des Vaters 1922 übernimmt Tochter Emma das Textil- und Weißwarengeschäft der Eltern. Kurz darauf heiratet sie Jakob Wolff, der der letzte Vorsteher der Lingener Synagogengemeinde wird. Aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte müssen die Wolffs ihren Handel 1936 verkaufen. 1939 wird ihr Wohnhaus in ein „Judenhaus“ umgewandelt und mehrere jüdische Familien werden hier zwangsweise einquartiert. Jakob Wolff stirbt 1941 – möglicherweise eine Spätfolge einer mehrwöchigen Internierung im KZ Buchenwald.
Im Juli 1942 wird auch Emma Wolff deportiert. Josefa Frommen, geb. Möddel, sieht sie noch einmal am Lingener Bahnhof. Später berichtet sie: „Die Bahnhofshalle war gerappelt voll. In dem Gewühl entdeckte meine Mutter ein bekanntes Gesicht. ‚Ach, da ist ja Frau Wolff‘, sagte sie und ging auf diese zu. ‚Sprechen Sie nicht mit mir, Frau Möddel, es könnte Ihr Unglück sein‘, flüsterte Frau Wolff. ‚Wir wissen nicht, was aus uns wird und wohin wir gefahren werden.‘“ Emma Wolff wird zunächst nach Theresienstadt und zwei Jahre später nach Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich im Juli 1944 in der Gaskammer ermordet wird.
Vollständiger Name: Ruth Foster, geb. Heilbronn
Geboren: 14. November 1921 in Lingen
Verstorben: 5. August 2014 in London
Eltern: Wilhelm Heilbronn (Viehhändler, † Mai 1942), Caroline Heilbronn, geb. Grünberg († 1944)
Position: Holocaust-Überlebende, Zeitzeugin
Vollständiger Name: Emma Wolff, geb. Eisenstein
Geboren: 7. Juli 1878 in Büren
Verstorben: Juli 1944 in Auschwitz
Eltern: Abraham Eisenstein (Textilhändler, 1841-1922) und Friederike Vogelsdorf (1853-1920)
Beruf: Textilhändlerin
Bezugspunkte im Emsland: ehemaliges „Judenhaus“, in dem die Familien Wolff und Heilbronn einquartiert waren (Marienstraße 4, 49808 Lingen); Jüdischer Friedhof mit Gedenktafel Ruth Foster und Gedenkstein Emma & Jakob Wolff (Weidestraße 31, 49808 Lingen)
Gut zu wissen
Ansprechpartner:in









