Als der Honig noch eine besondere Süßigkeit war

Die Imkerei im Emsland - Bis 1850 boten Moor- und Heideflächen zunächst ideale Bienenweiden - Dann gab es ,, Wanderversammlungen “

27.04.2025

Die Imkerei im Emsland - Bis 1850 boten Moor- und Heideflächen zunächst ideale Bienenweiden - Dann gab es ,, Wanderversammlungen “

Was die Bienenwelt im Naturpark Bourtanger Moor mit dem Emslandplan zu tun hat, ist eine spannende Geschichte, die Imkermeister Hermann Hüsers in einem Gespräch aufdeckt.

Er selbst ist seit vielen Jahren leidenschaftlicher Imker, sein Vater hat ihm dieses Hobby vererbt, allerdings erst als dieser sich entschied, es aufzugeben. Das Interesse seines Sohnes führte vor 36 Jahren dazu, die Imkerei weiterzuführen.
Das deutsch-niederländische Bienenzentrum, die IMME, ist das Ergebnis seines langjährigen Hobbys, das er zahlreichen Besuchern, Gästen und Naturpark-Schulen hier mit einem engagierten Team aus Freizeit-Imkern vermittelt. Als sogenannte „Moorpforte“ ist die IMME Informations- und Bildungszentrum und gleichzeitig eines von acht symbolischen Eingängen zum Naturpark Bourtanger Moor. Und die Moorlandschaften sind auch der Ursprung der Geschichte, die Hermann Hüsers erzählt.

Sie begann schon um 1850, also schon 100 Jahre vor dem Emslandplan. Es war die Zeit, um auf neue Herausforderungen zu reagieren. Unter anderem wurden regionale und überregionale Organisationen, wie zum Beispiel Imkervereine gegründet. Bereits damals veränderte sich die Landschaft, die bis dahin mit ihren ausgedehnten Moor- und Heideflächen eine ideale Bienenweide bot. Anders als heute, diente die Imkerei vielen Bauern neben der Schafzucht als Erwerbszweig und Einkommensquelle, denn das Wachs wurde als Grundlage für die Kerzen verwendet. Die heutige Nascherei war damals der Honig, denn Schokolade und Gummibärchen gab es noch nicht und Früchte waren auch nicht immer süß.

Mit dem Rückgang der Ödlandflächen gingen auch die BIüten zurück, die den Bienen als Nahrung dienen. Die „Berufs-Imker“ erkannten dies frühzeitig, schon um 1870, und organisierten sich landesweit, um sich über Entwicklungen und Kenntnisse auszutauschen. Die regelmäßigen Zusammenkünfte wurden als „Wanderversammlungen“ in unterschiedlichen Regionen veranstaltet, um auch verschiedene Gegebenheiten vor Ort zu begutachten. Bereits 1869 fand die erste Veranstaltung in Meppen statt. Weitere dann 1960 und zum Treffen der Imker*innen 2008 erstellte Hermann Hüsers damals eine Informationsbroschüre, um Einblicke in die Geschichte zu geben. Auszüge aus Protokollen, Vorträgen und Zeitungsartikeln sowie Bilder spiegeln in dieser die bedeutende Entwicklung der Imkerei im Emsland wider.

Apropos Entwicklung – mit der landschaftlichen Veränderung und dem Beginn der Moorkultivierung im 19. Jahrhundert, wurde auch die „Bienenhaltung“ optimiert und weiterentwickelt. Die bis dahin weit verbreitete Korbimkerei endete ab 1950, als die Moore bearbeitet wurden. Die Trachtbedingungen und Blühzeiträume waren verschoben: zunehmend war nicht mehr die Hauptblütezeit der August und September die Heideblüte - sondern die Frühblüher. Nun waren es die Blüten der Obstbäume und die Blüten der Ackerbegleitkräuter, wie zum Beispiel die Kornblume, Klee und der Löwenzahn. Die herkömmliche „raue“ Korbimkerei mit Maßnahmen des „Ausschwefelns“ wurde durch die Kastenimkerei abgelöst. Diese sogenannten mobilen „Hinterbehandlungsbeuten“ konnten mit öffentlichen Fördergeldern aus dem Emslandplan angeschafft werden. Sie trugen dazu bei, dem starken Rückgang der Bienenhaltung entgegenzuwirken.

Die Korb- und Kastenimkerei ist übrigens mit vielen weiteren Infos im deutsch-niederländischen Bienenzentrum im Außengelände anschaulich dargestellt. Ein Spaziergang um die IMME und der Besuch der Königin-Suite ist jederzeit möglich. Die kleine Ausstellung in den Räumlichkeiten der IMME ist am Wochenende und auf Anfrage zugänglich. Neben Gästen und Wanderern, die an der IMME ihre Tour ins Wesuweer Moor starten, werden hier neue Imker ausgebildet. Daneben werden Kindergruppen von Naturpark-Schulen über das Areal geführt – so wird das Interesse für die Imker von morgen geweckt.
Weitere Infos:
www.naturpark-moor.eu
www.imme-haren.de

Emslandliebe – Gestern. Heute. Morgen.
Das Themenjahr 2025 rund um das Jubiläum „75 Jahre Emslandplan“ ist eine Serie aus Erzählungen in Kooperation mit der Emsländischen Landschaft, der Emsland Tourismus GmbH und des Emsland-Kuriers. 



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Judith Uthmann-Tattermusch
27. April 2025