• Museen

Wer heute durch das Emsland fährt, sieht Felder, Wälder, Siedlungen und Reste ehemaliger Moorlandschaften. Doch unter dieser heutigen Landschaft verbirgt sich eine viel ältere Geschichte. Genau darum geht es im Projekt „Natur und Geschichte zwischen Ems und Ruiten Aa“, dass im Emsland Archäologie Museum in Meppen vorgestellt wird.

Beteiligt sind unter anderem das Groninger Institut für Archäologie der Rijksuniversiteit Groningen, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und das Emsland Archäologie Museum. Gemeinsam untersuchen sie den Raum zwischen der Ems im heutigen Niedersachsen und der Ruiten Aa in der niederländischen Provinz Groningen. Denn Flüsse, Moore und frühere Siedlungsräume halten sich nicht an heutige Staatsgrenzen.
 
Im Mittelpunkt der Forschungen steht die sogenannte „verschwundene Ems“. Gemeint ist ein alter Flussarm der Ems, der früher anders verlief als das heutige Gewässer. Nach bisherigen Erkenntnissen verließ er die Emsaue in der Nähe von Haren bei Landegge, überquerte die deutsch-niederländische Grenze bei Laudermarke und mündete bei Sellingen in die Ruiten Aa.

Für das Projekt wurden archäologische Fundstellen aus deutschen und niederländischen Datenbanken überprüft und erstmals grenzüberschreitend kartiert. Auch Archivmaterial, mündliche Überlieferungen sowie ältere Forschungen flossen ein. Hervorgehoben wird dabei die Arbeit von Elisabeth Schlicht, der ersten Archäologin des Emslandes. Ihre Berichte zeigen unter anderem, dass sich eine vorgeschichtliche Grabhügelgruppe bei Laudermarke (Niederlande) bis auf deutsches Gebiet bei Sustrum-Moor erstreckt.
 
Die Auswertung zeigt laut Ausstellung: Menschen der Vorgeschichte siedelten bevorzugt in der Nähe von Gewässern. Auf niederländischer Seite finden sich Fundplätze entlang des ehemaligen Flussverlaufs, im Emsland vor allem im Bereich des Emsdurchbruchs. Zwischen Landegge und der Grenze gibt es dagegen eine auffällige Lücke. Als mögliche Erklärung nennt die Ausstellung das frühere Bourtanger Moor, das lange als Niemandsland galt und erst durch Maßnahmen des Emslandplans landwirtschaftlich nutzbar gemacht wurde. Dabei könnten archäologische Spuren verloren gegangen sein.

Neben der Archäologie untersucht das Projekt auch die Entstehung des alten Flusslaufs. Zwischen Landegge und Sellingen fanden fünf Bohrkampagnen statt, darunter zwei im aktuellen Projekt: zu Beginn des Emsarms bei Landegge im März 2025 und bei Sellingen im August 2025. Bei Landegge wurde vor allem Sand gefunden, obwohl Moorablagerungen oder Pflanzenreste erwartet worden waren. Bei Sellingen stießen die Forschenden ebenfalls auf eine sandgefüllte Niederung, in größerer Tiefe aber auch auf organische Sedimente („Mudde“). Damit gab die verschwundene Ems einen Hinweis auf ihre Entstehung während der Eiszeit.
 
Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Durchbruch des alten Emsufers während einer wärmeren Phase der letzten Eiszeit ereignete. Grobe Sandablagerungen sprechen für eine ziemlich hohe Fließgeschwindigkeit. Älteste Ablagerungen könnten aus der Zeit um etwa 11.500 v. Chr. stammen. Um etwa 4.800 v. Chr. setzte demnach die Moorbildung ein.

Die „verschwundene Ems“ zeigt eindrucksvoll, dass unsere heutige Landschaft nur eine Momentaufnahme ist. Wer mehr über unser „blaues Band“ durch die Region, seine Spuren im Boden und seine Bedeutung für die Besiedlungsgeschichte erfahren möchte, kann die Ausstellung zur „verschwundenen Ems“ noch bis zum 11. Oktober im Emsland Archäologie Museum in Meppen besuchen.
 
 

Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.  

Museen an der Koppelschleuse: Emsland Archäologie Museum
  • Museum / Museumsdorf