Heimatmuseum erwacht aus einem Dornröschenschlaf

Lebendige Stadtgeschichte und Geselligkeit an einem Ort in Haselüne - Backhaus ist Haus - und Hofkapelle - Haus Tiding von 1759

06.07.2025

Lebendige Stadtgeschichte und Geselligkeit an einem Ort in Haselüne - Backhaus ist Haus - und Hofkapelle - Haus Tiding von 1759

„Mit dem Bier ins Museum“, eine Kombination aus Biergartenbesuch und Museumsführung, ist ein neues und mal ein ganz anderes Angebot, das die Museumsleiterin Katja Kuhlmann ins Leben gerufen hat. 

Seit zwei Jahren ist sie als erste Hauptamtliche neben zahlreichen Ehrenamtlichen engagiert, um die Vielfalt des Museums zu präsentieren – den großen Fundus Stadtgeschichte der ältesten Stadt des Emslandes aufrechtzuerhalten und gleichzeitig mehr Aufmerksamkeit auf das kleine Museumdorf zu lenken. Auch junge Menschen werden in das Angebot einbezogen, um die Traditionen, das Handwerk und die Geschichte lebendig zu machen. Bis ins Mittelalter blickt die Stadt zurück neben Geschichten aus der jüngsten Vergangenheit, um die noch Eltern und Urgroßeltern wissen.

Seit diesem Jahr gibt es feste Öffnungszeiten für das Museum, das dank dem neuen Audioguide nun auch ohne eine Führung, sondern auf eigene Faust erkundet werden kann. Das Motto „in eigenem Tempo durch das Museum“ zu gehen, bietet sich hier sehr gut an, da die Gebäude des Museums unterschiedliche Themen und Ausstellungen zeigen. Infos und Recherchen werden dank der digitalen Möglichkeiten dynamisch ergänzt, aber „in unserem Archiv schlummern noch viele nicht erzählte Geschichten, die aufgearbeitet und präsentiert werden wollen“, so Kuhlmann. Dass die Ausstellungsaufbauten nicht der zeitgenössischen Präsentation entsprechen, ist für den Laien in dem gut aufgeräumten Museum bei einem ersten Anblick nicht sichtbar – vielmehr sind die Häuser anheimelnd und ordentlich gestaltet und zeigen immer ein Thema bzw. Handwerk. Die Gebäude selbst haben die Namen ihrer ehemaligen Besitzer „geerbt“, informiert Katja Kuhlmann, die neben Öffentlichkeitsarbeit und Marketing in ihrer Tätigkeit ihr Wissen über die Haselünner Stadtgeschichte stetig ausbaut und auf Führungen vermittelt. Das engagierte Team der Ehrenamtlichen des Heimatvereins Haselünne unterstützt sie dabei mit viel Herzblut. Wegbereiter des Museums war Friedrich Berentzen, der 50 Jahre lang den Heimatverein leitete und auch überregional in der Kulturszene vernetzt war.

Das Museum vermittelt den Eindruck, als haben die Häuser hier schon immer so gestanden, doch tatsächlich sind alle hierher versetzt worden. Fachwerkbauten kann man mit einer Art Legobausatz vergleichen, da sie mit handwerklichem Geschick abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden können.
Besucher erfahren viel über die Gebäude und zukünftig auch mehr über die Geschichte der ehemaligen Bewohnenden. Erst jüngst habe die Museumsleiterin mit einer Zeitzeugin aus dem Doppelheuerhaus „Meyer zu Starten“ ein Interview führen können. Die bis zu den 1950iger Jahren noch übliche Wohnform, bei der Mensch und Tier unter einem Dach lebten, erzählt die schwere Vergangenheit der Heuerlinge ohne eigenen Landbesitz.
Ein ehemaliges Backhaus ist Haus- und Hofkapelle geworden, in der kirchliche Fundstücke, unter anderem eine Statue der Heiligen Ursula, untergebracht sind.

Die Schatzkammer beherbergt eine Münzsammlung, die alleine geschichtsträchtig ist und Anekdoten bis zu den Römern erzählt. Die Königsketten des hiesigen Schützenvereins sind hier aufbewahrt und werden sogar jährlich zum Fest getragen – man unterscheidet Erwachsenen- und Kinderketten.

Das Haus Tiding von 1759 demonstriert ein typisch niederdeutsches Hallenhaus mit einer Sammlung von Objekten unterschiedlicher Zeitepochen. Außerdem beherbergen die weiteren Gebäude diverse Handwerksstätten und Objekte aus der Landwirtschaft, darunter eine Schmiede, eine Holzschuh- sowie eine Böttcherwerkstatt. Auch das Keramikhandwerk mit Steintopfbrennereinen ist ein Bestandteil der Haselünner Geschichte. So ist es auch passend, dass das Keramikstudio „Petit Tada“ auf dem Gelände des Museums sein Zuhause gefunden hat.
Der Pop-Up -Biergarten „Unter den Eichen“ sorgt daneben für Geselligkeit und lockt Radler und Interessierte wahrscheinlich öfter in das Museum, das nach und nach aus einem Dornröschenschlaf erwacht.

Emslandliebe – Gestern. Heute. Morgen.
Das Themenjahr 2025 rund um das Jubiläum „75 Jahre Emslandplan“ ist eine Serie aus Erzählungen in Kooperation mit der Emsländischen Landschaft, der Emsland Tourismus GmbH und des Emsland-Kuriers. 

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© © Schoening Fotodesign, Stefan Schöning Fotodesign
Judith Uthmann-Tattermusch
06. Juli 2025