Mit der Taschenlampe aufs Feld, um das neue Grundstück zu sehen

Amt für regionale Landesentwicklung hängt eng mit dem Emslandplan zusammen

08.06.2025

Amt für regionale Landesentwicklung hängt eng mit dem Emslandplan zusammen

Wer über den Emslandplan sprechen möchte, kommt am Amt für regionale Landesentwicklung nicht vorbei. Das Stichwort ist Flurbereinigung. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Neuordnung des ländlichen Raumes. Und genau darum ging es auch bei der Nutzbarmachung des Moores.

Das Amt für regionale Landesentwicklung hieß nicht immer so. 1937 wurde die Vorgängerbehörde als landwirtschaftliches Kulturamt für die Kreise Meppen, Lingen, Grafschaft Bentheim und Aschendorf-Hümmling aus den vorherigen Einzelämtern gegründet und mit Meppen deren Hauptsitz festgelegt. Seit 1974 wurde es Amt für Agrarstruktur genannt. 2014 entstand aus den Ämtern für Landentwicklung und der Domänen- und Moorverwaltung des Bezirkes Weser-Ems das heutige Amt für regionale Landesentwicklung, kurz ArL.
 


So wie sich die Bezeichnungen und die Strukturen geändert haben, so haben sich auch die Aufgaben geändert. Galt es zu Beginn, das Moor für die landwirtschaftliche Nutzung und damit die Ernährung der Bevölkerung zu erschließen, so geht es heute zwar immer noch darum, Flächen sinnvoll zu tauschen und zusammenzulegen. Jedoch spielen ökologische Aspekte dabei eine große Rolle. „Früher wurden Gewässer begradigt, um Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Heute unterstützen wir durch Flächenmanagement Renaturierungsmaßnahmen“, betont Helmut Hermsen, Projektleiter Flurbereinigung beim ArL.
 
Dieser Paradigmenwechsel habe seine Ursache in der weitaus größeren Effizienz heutiger Landwirtschaft. „1950 konnte ein landwirtschaftlicher Betrieb zehn Menschen ernähren. Durchschnittlich verfügte der Bauer über 7,5 Hektar. Dafür gab es aber auch noch zwei Millionen Bauernhöfe. Heute ist ein Landwirt in der Lage, 150 Menschen zu ernähren, bewirtschaftet dafür durchschnittlich 65 Hektar. Allerdings gibt es auch nur noch rund 255.000 Höfe“, zeigt Hannes Wefers die Entwicklung in Deutschland auf. Wefers ist Ausbildungsleiter beim ArL und bereits seit 1979 im Dienst. Er kann sich noch gut daran erinnern, dass es vormals um andere Ziele bei der Bodenordnung ging. „Früher hatte die Sicherung der Ernährung der Menschen Priorität. Deshalb war es wichtig, möglichst große Flächen durch Zusammenlegung zu schaffen. Die Begradigung von Gewässern beispielsweise oder die Entwässerung von Ackerflächen sollte dabei helfen“, erklärt der Lingener.

Dass diese Maßnahmen nicht immer im Sinn einer intakten Natur waren, sei damals noch nicht im Bewusstsein der Menschen gewesen. „Wenn heute solche Flächenzusammenlegungen notwendig werden, werden die Verfahren von ökologischen Maßnahmen begleitet“, unterstreicht Johannes Griesen, Leiter des Flurbereinigungsdezernates der Geschäftsstelle Meppen. Dieses Dezernat ist eines von sechs, die zum ArL gehören.
 
Wie eng das ArL mit dem Emslandplan verknüpft sei, zeige sich auch darin, dass die Vorgängerbehörde, also das Kulturamt, mit zu den Initiatoren des Emslandplans gehörte. „Die Aufgabe damals war, landwirtschaftliche Betriebe in einem sogenannten Siedlungsverfahren umzusiedeln“, sagt Griesen. Nach dem zweiten Weltkrieg sind viele Menschen aus den früheren Ostgebieten des Deutschen Reichs geflohen und fanden beispielsweise im emsländischen Moor eine neue Heimat. Um ihnen Land zu verschaffen, dessen Bewirtschaftung sich lohnt und um gleichzeitig die Ernährungssituation der Bevölkerung zu verbessern, sei der Emslandplan ins Leben gerufen worden. Die Zusammenlegung von Kleinstflächen, die Entwässerung der Böden und die Zuteilung von ganzjährig bewirtschaftbaren (also nicht überschwemmten) Flächen sollte die Effizienz der Landwirtschaft deutlich erhöhen.

Das alles ist heutzutage kaum noch ein Thema. Wohl aber kommt das Dezernat 4 vom ArL ins Spiel, wenn Flächen für öffentliche Projekte durchschnitten werden müssen. Ein Beispiel dafür ist der inzwischen längst beendete Bau der Autobahn 31 mit 16 Flurbereinigungsverfahren. „Aber auch der Ausbau der E233 wird von unserer Behörde begleitet“, unterstreicht Johannes Griesen. Um betroffenen Grundstücksbesitzern adäquate Ersatzflächen anbieten zu können, würden schon jetzt solche Flächen gesucht und angekauft, denn „es sind ja nicht so viele Flächen auf dem Markt“, weiß der Dezernatsteilleiter.
 
Auch früher kam es zu diesem Flächentausch. „Wenn es Neuzuteilungen gab, sind die Leute abends schon mit der Taschenlampe aufs Feld gegangen, um zu gucken, welche Flächen sie zugeteilt bekommen haben. Das konnten sie an den Ordnungsnummern erkennen, die an den Pflöcken der Eigentumsgrenzen standen. Oft haben sich die Beteiligten sehr über die Neuzuteilung der großen Grundstücke gefreut“, wirft Hannes Wefers einen Blick in die Vergangenheit.

Vom Grundsatz her ist die Tätigkeit des Dezernats Flurbereinigung im Amt für regionale Landesentwicklung also dieselbe: Flächen zu tauschen, sodass eine sinnvolle Nutzung möglich ist. Darüber hinaus sollen Flurbereinigungsverfahren heute mit ökologischen Maßnahmen begleitet werden.

Emslandliebe – Gestern. Heute. Morgen.
Das Themenjahr 2025 rund um das Jubiläum „75 Jahre Emslandplan“ ist eine Serie aus Erzählungen in Kooperation mit der Emsländischen Landschaft, der Emsland Tourismus GmbH und des Emsland-Kuriers. 



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Christiane Adam
08. Juni 2025