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  • 18.10.2026

Ein Waldweg, eine Lichtung, ein paar mächtige Steine – und plötzlich scheint die Zeit stillzustehen. Wer im Emsland unterwegs ist, kann an vielen Stellen auf solche steinernen Zeugen einer längst vergangenen Welt treffen. Die Großsteingräber des Hümmlings sind mehr als 5.000 Jahre alt und gehören zu den eindrucksvollsten Spuren der Jungsteinzeit in der Region.

Ihre Geschichte beginnt allerdings lange vor den Menschen, die sie errichteten: Eiszeitliche Gletscher transportierten viel Material, u. a. große Felsblöcke, aus Skandinavien bis ins heutige Emsland. Jahrtausende später wurden diese Felsen von den ersten sesshaften Bauern zu Grabkammern und Monumenten für die Toten zusammengefügt. Was damals mit einfachen technischen Mitteln entstand, prägt die Landschaft bis heute – und gibt ihr etwas Geheimnisvolles. 

Am Theikenmeer bei Werlte liegt ein Findling, der wie andere Steine im Emsland schon eine lange Reise hinter sich hat. „Alter Schwede“ heißt der mächtige Granitblock, der bei Renaturierungsarbeiten in der Wehmer Dose entdeckt und später an der Natur- und Geoparkstation am Wanderweg aufgestellt wurde. Sein Name ist dabei mehr als eine charmante Anspielung: Der Stein stammt tatsächlich aus Schweden, genauer aus dem Gebiet um die südschwedische Stadt Växjö in der historischen Provinz Småland.

Für Geologen ist das eine spannende Spur. Denn Gesteine mit einer so genau bestimmbaren Herkunft werden als „Leitgeschiebe“ bezeichnet. An ihnen lässt sich nachvollziehen, welche Wege die eiszeitlichen Gletscher einst von Skandinavien ins Emsland nahmen. Wer heute am „Alten Schweden“ steht, blickt damit gewissermaßen auf einen steinernen Reisenden aus einer Zeit, in der noch kein Mensch diese Landschaft besiedelte. 

Manche Großsteingräber haben nicht nur ihre ursprüngliche Funktion überdauert, sondern sogar Eingang in das Gedächtnis einer ganzen Region gefunden. Das Wappengrab bei Klein Berßen gehört dazu, denn seinen Namen verdankt es einer ungewöhnlichen Nachwirkung: Die Anlage diente als Vorbild für das Motiv eines Hünengrabs im Wappen des früheren Landkreises Aschendorf-Hümmling und seit der Kreisreform 1977 im oberen Drittel des Wappens vom Landkreis Emsland.

Von der ursprünglichen Anlage sind noch mehrere Trag- und Decksteine erhalten. Das Großsteingrab wird unter der Sprockhoff-Nummer 859 geführt und liegt an der „Hünengräberstraße des Hümmling“. Gemeinsam mit dem nahe gelegenen Königsgrab und einem rekonstruierten Großsteingrab bildet das Wappengrab ein bedeutendes Ensemble, an dem sich die Geschichte der jungsteinzeitlichen Monumente besonders anschaulich nachvollziehen lässt. 

Wer bei Hüven zwischen alten Bäumen auf Volbers Hünensteine trifft, steht vor einem besonders eindrucksvollen Stück Steinzeit. Das Großsteingrab zählt zu den am besten erhaltenen Anlagen des Hümmlings. Seine 15 Meter lange Grabkammer und die weitgehend erhaltene steinerne Umfassung von 22 x 10 Metern lassen noch heute die Dimensionen des ursprünglichen Bauwerks erkennen.
Die Anlage gehört zu jener für die Region typischen Bauform, die Fachleute „Emsländische Kammer“ nennen. Charakteristisch ist die langgestreckte Kammer, die aus mehreren Jochen mit Trag- und Decksteinen besteht. 

Die Großsteingräber des Emslands erzählen deshalb immer zwei Geschichten zugleich: von gewaltigen Naturkräften und von Menschen, die diese Landschaft zu ihrer Heimat machten. Der Nationale Geopark Emsland macht genau diese Verbindung erlebbar. Er zeigt, wie Eiszeiten, Moore, Flüsse, Dünen und Findlinge die Region geformt haben – und wie der Mensch anschließend aus der Naturlandschaft eine Kulturlandschaft machte.
 
Die Großsteingräber sind dabei ein besonders sichtbares Kapitel dieser Geschichte: Die Gletscher brachten vor Hunderttausenden von Jahren die Steine, die Menschen der Jungsteinzeit machten daraus vor mehr als 5.000 Jahren Monumente. Heute führt der Geopark beide Geschichten zusammen und macht die Landschaft selbst zum Geschichtsbuch. Wer zwischen den gewaltigen Steinen steht, blickt deshalb nicht nur zurück in die Steinzeit, sondern zugleich tief in die Erdgeschichte des Emslands. 


Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite" zum Themenjahr nachzulesen.  


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© © Schoening Fotodesign, Stefan Schöning Fotodesign
Martina Alfers
18. Oktober 2026

Drei Wandernde auf einem Pfad am Theikenmeer, umgeben von Schilf, Wasser und weiter Moorlandschaft.