FrauenWEGE – Julie Lange

  • Historische Stätte
Mit spitzer Feder und klarem politischem Kompass gegen den Nationalsozialismus: Julie Lange.
In der von Männern dominierten Parteien- und Presselandschaft des frühen 20. Jahrhunderts nahm Julie Lange eine außergewöhnliche Rolle als Politikerin, Publizistin und überzeugte Demokratin ein. Bereits in den politisch unruhigen Jahren der Weimarer Republik erkannte die Papenburgerin die Gefahr des aufkommenden Nationalsozialismus und bezog öffentlich Stellung.
Aufgewachsen in einer katholisch geprägten Papenburger Seemannsfamilie mit drei Geschwistern, entwickelt sie in einem bildungsnahen Elternhaus ihre geistige Eigenständigkeit und ihr ausgeprägtes Interesse an gesellschaftlichen Fragen. Schon früh zeigte sich ihre kreative Begabung: Mit selbst verfassten Gedichten und Liedern bereichert Julie Lange gesellschaftliche und familiäre Zusammenkünfte. Zeitgenossen beschreiben sie als aufmerksam, klug und feinsinnig, zugleich kontaktfreudig und tief im Glauben verankert.
Als Frauen nach dem Ersten Weltkrieg erstmals wählen und politische Verantwortung übernehmen dürfen, zögert Lange nicht: Sie mischt sich ein, kandidiert und wird als einzige Frau in den Papenburger Stadtrat gewählt. Später übernimmt sie Verantwortung im Kreisvorstand der Zentrums-Partei.
Klare Haltung gegen den Nationalsozialismus
Parallel dazu wirkt sie nicht nur in der Redaktion der „Ems-Zeitung“ mit, sondern bestimmt zeitweise als verantwortliche Schriftleiterin den publizistischen Kurs – eine besondere Rolle für eine Frau in den 1920er-Jahren. Das Blatt vertritt eine klare Haltung gegen den Nationalsozialismus. Lange analysiert die politischen Entwicklungen mit großer Klarheit und begegnet der NS-Ideologie mit publizistischer Schärfe. Ihre kritischen Beiträge machen sie weit über Papenburg hinaus bekannt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Gleichschaltung der Presse wird unabhängiger Journalismus zunehmend unmöglich. Kurz vor dem Verlust der Pressefreiheit zieht sich Lange aus der Redaktion zurück, bleibt jedoch gesellschaftlich engagiert. Gemeinsam mit ihrer Schwester wirkt sie im kirchlichen und sozialen Leben vor Ort.
Eine Stimme der Demokratie
Julie Lange nimmt als eine der politisch einflussreichsten Frauen ihrer Zeit im Emsland eine Ausnahmestellung ein. Ihr entschiedener Widerstand und ihre klare publizistische Haltung werden selbst von politischem Gegner wahrgenommen. Ihr Lebensweg steht bis heute für Mut und den unbeirrbaren Einsatz für demokratische und gesellschaftliche Verantwortung.
Vollständiger Name: Julie Lange
Geboren am: 27. Mai 1880 in Papenburg
Verstorben am: 01.Juni 1942 in Papenburg
Beruf: Redakteurin und zeitweise Schriftleiterin bei der Ems-Zeitung
Bezugspunkt im Emsland: Ems-Zeitung (Am Stadtpark 35, 26871 Papenburg)
 

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