FrauenWEGE – Margaretha-Meinders

  • Historische Stätte
Margaretha Meinders
Die Unsinkbare: Margaretha Meinders rettete fast im Alleingang ein Schiff aus Seenot.
Am 24. Juni 1890 zieht ein Sturm über dem Indischen Ozean auf. Für Margaretha Meinders und die Besatzung der „Johanna“ könnte er kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen. Knapp drei Wochen zuvor hatte der Schoner den Hafen von Port Louis auf Mauritius verlassen, um mehrere tausend Sack Zucker nach Melbourne zu bringen. Kurz darauf erkrankt ein Besatzungsmitglied nach dem anderen an einem Fieber – mit Ausnahme von Margarethe Meinders und ihrer kleinen Tochter Susanne.
Für den Ernstfall auf See gerüstet
Margarethe Meinders, geb. Plock, ist die Frau des Schiffskapitäns Hermann Meinders, den sie 1883 heiratet. Damals ist es üblich, dass Kapitänsfrauen und ihre noch nicht schulpflichtigen Kinder den Ehemann und Vater auf hoher See begleiten – so auch Margaretha Meinders. Ihre Tätigkeiten gehen jedoch über die „hausfraulichen Pflichten“ hinaus und wie viele andere Kapitänsfrauen lernt sie während der langen Zeit auf dem Meer die Grundlagen der Seefahrt, kann unter anderem das Schiff steuern und seine Position bestimmen.
Als der Sturm zu toben beginnt, ist Vollmatrose Hermann Bahnes bereits tot. Leichtmatrose Leo Klot stirbt kurz darauf. Der Rest der Besatzung ist zu krank zum Arbeiten, einzig Steuermann Hermann Heyen hat sich soweit erholt, dass er Margarethe Meinders unterstützen kann. Gemeinsam pumpen sie das eindringende Wasser ab und versuchen, das Schiff auf Kurs zu halten. Teilweise steht die Kapitänsfrau 12 Stunden am Steuer. Als auch noch der Koch stirbt, übernimmt sie die Kombüse und pflegt darüber hinaus die Kranken. Als das Pumpen nicht mehr hilft, befiehlt der kranke Kapitän, Säcke über Bord zu werfen. Auch hier packt sie kräftig mit an.
Wie sehr sie sich zerreißen muss, beschreibt sie später der „Illustrated Sydney News“:
„Eines Tages hörte ich meine Kleine schreien. Ich hatte sie in der Kajüte eingeschlossen, die fußhoch unter Wasser stand. Fast ununterbrochen schrie sie: ‚Mutter, Mutter!‘ Alles was ich antworten konnte, war: ‚Si du man still, Susanne, ik kumm jo gliek.’“
Schließlich hält die junge Mutter es nicht mehr aus: Sie bindet das Steuer fest und rennt zu ihrer Tochter, die vor Erschöpfung eingeschlafen ist.
Tragische Heimkehr
Nach fast zwei Monaten auf See erreicht die „Johanna“ den Nothafen im westaustralischen Fremantle. Doch damit ist das Unglück noch nicht zu Ende: Als das Schiff einige Tage später Richtung australische Ostküste segelt, stirbt auch noch Kapitän Hermann Meinders. Das Schiff gerät erneut in Sturm, bevor es schließlich Melbourne erreicht. Dort feiern die Australier die junge Witwe für ihre Heldentat. Gemeinsam mit ihrer Tochter segelt Margaretha Meinders anschließend zurück nach Papenburg. Später zieht sie nach Bremen. Sie heiratet nie wieder.
 
Vollständiger Name: Margaretha Meinders, geb. Plock
Geboren: 28. Dezember 1864 in Papenburg
Verstorben: 12. Januar 1935 in Bremen
Vater: ein Schmiedemeister in Papenburg
Position: Kapitänsfrau
Bezugspunkte im Emsland: Margaretha-Meinders-Straße, Papenburg; Denkmal Margareta Meinders (Ecke Hauptkanal/Wiek, Papenburg)

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