FrauenWEGE – Karin Stief-Kreihe

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Das hat sie selbst überrascht: Karin Stief-Kreihe gelang die Wahl zu Meppens erster Bürgermeisterin.
Dezember 1994: Eigentlich ist die Wahl des Meppener Bürgermeisters eine Formsache. Die CDU sitzt in der Kreisstadt fest im Sattel und will den amtierenden Bürgermeister Wilhelm Mevenkamp nur durch Heinz Cloppenburg ersetzen. Doch dann die Überraschung: Drei Ratsmitglieder aus seiner Fraktion verweigern dem CDU-Kandidaten die Zustimmung. So wird Karin Stief-Kreihe von der SPD im dritten Wahlgang per Los ins Amt gewählt. „Erdrutsch im Emsland“ titelt die taz angesichts der Tatsache, dass im konservativ-katholischen Emsland erstmals eine Frau das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt übernimmt.
Anerkennung über Parteigrenzen hinweg
Auch für Karin Stief-Kreihe selbst kommt die Wahl unerwartet. Zwei Jahre übt sie den Posten ehrenamtlich aus. Sie setzt auf eine fraktionsübergreifende Zusammenarbeit und erwirbt sich auch außerhalb der SPD Respekt. Bei ihrer Verabschiedung erklärt der damalige Stadtdirektor Franz Quatmann, es sei ihr „gut gelungen, über alle Parteigrenzen hinweg Beschlüsse zu erreichen, die Meppen vorangebracht haben“. 2001 kandiert sie als hauptamtliche Bürgermeisterin, verliert jedoch gegen Heinz Jansen (CDU).
Von Berlin auf die politische Bühne des Emslands
Dass Karin Stief-Kreihe einmal Meppener Stadtgeschichte schreiben würde, ist bei ihrer Geburt in Berlin im Jahr 1949 noch nicht abzusehen. Nach einer Bauzeichnerausbildung studiert sie Architektur und für das Lehramt an berufsbildenden Schulen. 1970 tritt sie in die SPD ein, ist in verschiedenen Juso-Frauengruppen aktiv und gründet in Hannover die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen. 1977 kommt sie für ihr Referendariat nach Meppen. Ursprünglich will sie nach Ende ihrer Ausbildung das Emsland wieder verlassen, doch sie bleibt, heiratet ihren Mann Friedel, bekommt drei Kinder – und übernimmt eine feste Rolle in der Politik Meppens und Niedersachsens. „Gerade im Emsland waren damals viel zu wenig Frauen in der Politik aktiv“, erklärt sie später ihre Motivation.
Beharrlich für mehr Gleichstellung und Teilhabe
Ein besonderes Anliegen ist ihr die Gleichstellung von Frauen. So demonstriert sie in Meppen gemeinsam mit Mitstreitenden erfolgreich für die Einstellung einer Frauenbeauftragten. 1991 wird die SPD-Politikerin in den Meppener Stadtrat und den emsländischen Kreistag gewählt. Von 1995 bis 2013 ist sie, mit kleinen Unterbrechungen, Abgeordnete im niedersächsischen Landtag. Sie tritt damit in die Fußstapfen ihres Vaters, der von 1970 bis 1986 ebenfalls für die SPD im niedersächsischen Landtag saß. Als Landtagsabgeordnete übernimmt sie unter anderem die Leitung der Enquetekommission für den demografischen Wandel des Landtags. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende weiß sich gegenüber (männlichen) Konkurrenten zu behaupten: „Wenn man auf der politischen Bühne agiert, darf man nicht empfindlich sein und muss ein dickes Fell besitzen“, erklärt sie.
2018 stirbt Karin Stief-Kreihe im Alter von 68 Jahren. Ihre SPD-Genossen würdigen sie als engagierte Politikerin, die sich neben einer pragmatischen Gleichstellungspolitik besonders für soziale Belange, aber auch Kunst und Kultur eingesetzt habe – getreu ihrem Motto „Ich mische mich gerne ein, statt nur von außen zuzusehen“.
 
Vollständiger Name: Karin Stief-Kreihe, geb. Stief
Geboren: 20. Oktober 1949 in Berlin
Verstorben: 3. Juni 2018
Eltern: Hans-Joachim Stief (1926-2015), Gerda Stief geb. Pohl (1927-2012)
Beruf: Architektin, Berufschullehrerin, Politikerin
Bezugspunkt im Emsland: Stadtverwaltung Meppen (Markt 43, 49716 Meppen)

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