FrauenWEGE – Katharina Schücking
Von der „ersten Dichterin des Westfalens“ zur Emsländerin: Katharina Schücking.
Als Katharina Busch 1809 drei Gedichte in dem Musenalmanach „Mimigardia“ veröffentlicht, ist die Aufregung groß. Nicht etwa, weil die Werke besonders revolutionär gewesen wären. Sie orientieren sich eher an einer gefühlsbetonten Lyrik, wie sie 50 Jahre zuvor populär war. Nein, Katharina Buschs Zeilen sorgen für Aufregung, weil sie eine Frau ist, gerade einmal 18 Jahre noch dazu. Gegen ihren Willen hatten die Herausgeber ihren Namen, ihren Wohnort und ihr Geburtsdatum veröffentlicht. Die Entrüstung in der Münsteraner Gesellschaft ist groß, es kursieren Karikaturen, die sich über die junge Dichterin lustig machen. Gedichte schreiben darf eine Frau zwar, aber sie zu veröffentlichen empfinden viele Zeitgenossen als einen Affront. Ausgerechnet diese Empörung ist es jedoch, die Katharina Busch zu einer bekannten Dichterin macht – und zum Vorbild für die junge Annette von Droste-Hülshoff.
„Möcht’ ich wie Natur am Abend, ohne Sorgen
Sanft entschlummernd aus dem Leben gehn
Wie die Sonne schön am heitern Frühlingsmorgen
Jenseits dieser Erde auferstehn“
Katharina Busch wächst in Dülmen als Tochter eines Landrichters auf. Sie ist das älteste von zwölf Geschwistern. Trotz der bürgerlichen Stellung der Familie ist das Geld oft knapp. Katharina ist schon früh der Lyrik zugetan, muss aber aufgrund der finanziellen Sorgen ihrer Familie als Bedienstete auf einem Adelssitz arbeiten. Dort schreibt sie ihrem Mentor, dem Münsteraner Dichter und Rechtsprofessor Anton Matthias Sprickmann, desillusioniert: „Wenn ich den beschränkten Wirkungskreis meines Geschlechts bedenke – wär ich doch kein Weib geworden…“ In Dülmen versucht sie vergeblich, ein Theater und eine künstlerische Gesellschaft zu etablieren. Stattdessen schreibt sie eine Satire auf die Dülmener Bürger mit dem Titel „Triumph der Kleinstädter“. Es entstehen weitere Gedichte.
Umzug ins Emsland
1813 heiratet Katharina Busch Paulus Modestus Schücking und zieht mit ihm in seine Heimatstadt Meppen. Das Glück währt nur kurz, denn zwei Wochen nach der Trauung wird Schückings uneheliches Kind geboren. Das Baby stirbt kurze Zeit später. Katharina Schücking leidet unter der Untreue ihres Mannes und auch unter der kulturellen Isolation im Emsland – vor allem, nachdem die Familie nach Sögel zieht, wo Modestus Schücking als Amtmann und Richter arbeitet. Noch 1831 klagt sie ihrer Freundin Annette von Droste-Hülshoff: „Dürftig wie die sibirische Gegend sind auch ihre Bewohner, arm an Geist und Herz und wahrer Lebensfreude […] Warum nun das Geschick mich gerade an den traurigsten Strich Deutschlands […] gebannt hat?“
Versuche der Kulturförderung
Katharina Schücking versucht, Kultur ins Emsland zu bringen. In Meppen beispielweise organsiert sie Theateraufführungen. Die Wohnorte der Schückings – erst der Marstall des Schlosses Clemenswerth, später der Ludmillenhof in Sögel – werden zum Treffpunkt für kulturinteressierte Emsländer. Einen großen Eindruck macht die Dichterin auf die angehende Schriftstellerin Emmy von Dincklage. In den ersten Jahren ihrer Ehe schreibt Katharina Schücking kaum – möglicherweise ist die Belastung als Hausfrau und sechsfache Mutter zu groß. Erst ab 1824 ist sie wieder produktiver, schreibt den Briefroman „Freuden und Leiden einer schönen Seele“ und die heitere Erzählung „Badereise nach Pyrmont“ sowie weitere Gedichte. Mit 40 Jahren stirbt Katharina Schücking im Ludmillenhof. Heute sind ihre Werke weitgehend in Vergessenheit geraten und sie ist vor allem als Mutter des Dichters Levin Schücking bekannt.
Ihrer verstorbenen Freundin widmet Annette von Droste-Hülshoff das Gedicht „Katharine Schücking“. Dort heißt es: „Dein Bild, du Starke in der Läutrung Brand/Stieg wie ein Phönix aus der Asche wieder/Und tief im Herzen hab' ich es erkannt/Wie zehnfach größer du als deine Lieder.“
Vollständiger Name: Sybilla Catharina Eilsabeth Schücking, geb. Busch
Geboren: 26. Januar 1791 in Ahlen
Verstorben: 2. November 1831 in Sögel
Eltern: Peter Ignatz Anton Busch (Richter, 1757-1834) und Anna Elisabeth Elverfeld (1765-1840)
Beruf: Dichterin
Bezugspunkt im Emsland: Ludmillenhof (Bahnhofstraße 2, 49751 Sögel)
Als Katharina Busch 1809 drei Gedichte in dem Musenalmanach „Mimigardia“ veröffentlicht, ist die Aufregung groß. Nicht etwa, weil die Werke besonders revolutionär gewesen wären. Sie orientieren sich eher an einer gefühlsbetonten Lyrik, wie sie 50 Jahre zuvor populär war. Nein, Katharina Buschs Zeilen sorgen für Aufregung, weil sie eine Frau ist, gerade einmal 18 Jahre noch dazu. Gegen ihren Willen hatten die Herausgeber ihren Namen, ihren Wohnort und ihr Geburtsdatum veröffentlicht. Die Entrüstung in der Münsteraner Gesellschaft ist groß, es kursieren Karikaturen, die sich über die junge Dichterin lustig machen. Gedichte schreiben darf eine Frau zwar, aber sie zu veröffentlichen empfinden viele Zeitgenossen als einen Affront. Ausgerechnet diese Empörung ist es jedoch, die Katharina Busch zu einer bekannten Dichterin macht – und zum Vorbild für die junge Annette von Droste-Hülshoff.
„Möcht’ ich wie Natur am Abend, ohne Sorgen
Sanft entschlummernd aus dem Leben gehn
Wie die Sonne schön am heitern Frühlingsmorgen
Jenseits dieser Erde auferstehn“
- aus „Der Frühlingsabend“ (1809)
Katharina Busch wächst in Dülmen als Tochter eines Landrichters auf. Sie ist das älteste von zwölf Geschwistern. Trotz der bürgerlichen Stellung der Familie ist das Geld oft knapp. Katharina ist schon früh der Lyrik zugetan, muss aber aufgrund der finanziellen Sorgen ihrer Familie als Bedienstete auf einem Adelssitz arbeiten. Dort schreibt sie ihrem Mentor, dem Münsteraner Dichter und Rechtsprofessor Anton Matthias Sprickmann, desillusioniert: „Wenn ich den beschränkten Wirkungskreis meines Geschlechts bedenke – wär ich doch kein Weib geworden…“ In Dülmen versucht sie vergeblich, ein Theater und eine künstlerische Gesellschaft zu etablieren. Stattdessen schreibt sie eine Satire auf die Dülmener Bürger mit dem Titel „Triumph der Kleinstädter“. Es entstehen weitere Gedichte.
Umzug ins Emsland
1813 heiratet Katharina Busch Paulus Modestus Schücking und zieht mit ihm in seine Heimatstadt Meppen. Das Glück währt nur kurz, denn zwei Wochen nach der Trauung wird Schückings uneheliches Kind geboren. Das Baby stirbt kurze Zeit später. Katharina Schücking leidet unter der Untreue ihres Mannes und auch unter der kulturellen Isolation im Emsland – vor allem, nachdem die Familie nach Sögel zieht, wo Modestus Schücking als Amtmann und Richter arbeitet. Noch 1831 klagt sie ihrer Freundin Annette von Droste-Hülshoff: „Dürftig wie die sibirische Gegend sind auch ihre Bewohner, arm an Geist und Herz und wahrer Lebensfreude […] Warum nun das Geschick mich gerade an den traurigsten Strich Deutschlands […] gebannt hat?“
Versuche der Kulturförderung
Katharina Schücking versucht, Kultur ins Emsland zu bringen. In Meppen beispielweise organsiert sie Theateraufführungen. Die Wohnorte der Schückings – erst der Marstall des Schlosses Clemenswerth, später der Ludmillenhof in Sögel – werden zum Treffpunkt für kulturinteressierte Emsländer. Einen großen Eindruck macht die Dichterin auf die angehende Schriftstellerin Emmy von Dincklage. In den ersten Jahren ihrer Ehe schreibt Katharina Schücking kaum – möglicherweise ist die Belastung als Hausfrau und sechsfache Mutter zu groß. Erst ab 1824 ist sie wieder produktiver, schreibt den Briefroman „Freuden und Leiden einer schönen Seele“ und die heitere Erzählung „Badereise nach Pyrmont“ sowie weitere Gedichte. Mit 40 Jahren stirbt Katharina Schücking im Ludmillenhof. Heute sind ihre Werke weitgehend in Vergessenheit geraten und sie ist vor allem als Mutter des Dichters Levin Schücking bekannt.
Ihrer verstorbenen Freundin widmet Annette von Droste-Hülshoff das Gedicht „Katharine Schücking“. Dort heißt es: „Dein Bild, du Starke in der Läutrung Brand/Stieg wie ein Phönix aus der Asche wieder/Und tief im Herzen hab' ich es erkannt/Wie zehnfach größer du als deine Lieder.“
Vollständiger Name: Sybilla Catharina Eilsabeth Schücking, geb. Busch
Geboren: 26. Januar 1791 in Ahlen
Verstorben: 2. November 1831 in Sögel
Eltern: Peter Ignatz Anton Busch (Richter, 1757-1834) und Anna Elisabeth Elverfeld (1765-1840)
Beruf: Dichterin
Bezugspunkt im Emsland: Ludmillenhof (Bahnhofstraße 2, 49751 Sögel)
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