FrauenWEGE – Marie Engel Schulte

  • Historische Stätte
Verbotene Liebe: Briefe erzählen von der Affäre einer jungen Bauersfrau mit einem Soldaten.
Wären 18 Liebesbriefe zwischen Anna Maria Angela Schulte – besser bekannt als „Marie Engel Schulte“ oder „Schulten Engel“ – und Tamme Jürgen Meyer nicht in die Hände des Journalisten und Autors Horst Heinrich Bechtluft geraten, hätte die Nachwelt wohl nie von ihrer Beziehung erfahren. Bechtluft forscht nach und zeigt: Marie Engel Brockgertken heiratet im Alter von 17 Jahren den Hoferben Johannes Schulte. Beide kommen von großen Höfen, es ist von einer arrangierten Ehe auszugehen.
Der Soldat Tamme Jürgen Meyer lernt die junge Frau wahrscheinlich 1819 kennen. Sein Regiment ist in Aurich stationiert, doch es ist üblich, dass die Soldaten aus Kostengründen nicht nur auf ostfriesischen, sondern auch auf emsländischen Höfen untergebracht werden. Zunächst weiß der junge Mann nicht, dass sein „geliebter Engel“ verheiratet ist und zwei Töchter hat – die junge Bäuerin unterschreibt mit den Anfangsbuchstaben ihres Geburtsnamens. Irgendwann scheint der junge Mann allerdings von der Ehe zu erfahren, adressiert er einen Brief doch an „die Maddam Schulte zu Großen Dohren per Express“. Die Hoffnung, offiziell mit seiner Geliebten zusammen sein zu können, hat er nicht aufgegeben. Er schickt ihr den zeitgenössischen Roman „Die Geschichte Karl Saalfelds, eines relegirten Studenten von ***“ von Carl Gottlob Cramer. In dem Buch verliebt sich ein Soldat in eine adlige Dame, mit der er Dank Intervention eines Prinzen auch tatsächlich zusammenkommt.
Das Ende der Affäre
Im wahren Leben setzt sich kein Prinz für das Liebespaar ein. Marie Engel Schulten scheint unglücklich mit der Situation. Sie schreibt:
„Daß Gott vom Himmel doch möchte geben, dass unser Elend ein Ende nehme. Den 27 Junius muß ich die Reise machen – das seind 20 Stunden, nämlich nach Münster.“
Möglicherweise ist von einer Wallfahrt zur Buße die Rede. So groß scheint das schlechte Gewissen jedoch nicht zu sein: Wenige Zeilen später lädt die Bauersfrau ihren Geliebten zu einem Rendezvous im Roggenfeld ein – noch vor der Wallfahrt. Irgendwann jedoch ist Marie genervt von seiner „eifersüchtigen Seele“ und dass er sie regelmäßig um Geld bittet. Der letzte überlieferte Brief ist auf Dezember 1821 datiert.
Öffentlich taucht Marie Schulte 1861 auf: Die „Ems- und Haseblätter“ berichten, dass die inzwischen verwitwete „Schultesche zu Dohren“ bei einem Erbprozess gelogen und überdies sechs wirtschaftlich von ihr abhängige Personen zu Falschaussagen angestiftet habe. Das Gericht verurteilt sie zu 16 Jahren Zuchthaus. Ob und wie weit sie diese abgesessen hat, ist nicht bekannt. Marie Engel Schulte stirbt im Alter von knapp 89 Jahren in ihrem heimatlichen Dohren.
 
Vollständiger Name: Anna Maria Angela Schulte, geb. Brockgertken
Geboren: 24. März 1797
Verstorben: 16. Februar 1886 in Dohren
Beruf: Bäuerin
Bezugspunkt im Emsland: Rund um den Schultenhof (Hauptstraße, 49770 Dohren)

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