FrauenWEGE – Mater Theresia Breme und Mater Ignatia Breme

  • Historische Stätte
Theresia und Ignatia Breme – zwei Schwestern mit einer Mission: Mädchen neue Chancen eröffnen.
Mädchen, die eine höhere Bildung anstrebten, hatten im 19. Jahrhundert nicht viele Möglichkeiten. Wer nicht Hausfrau und Mutter werden konnte oder wollte, dem blieb meist nur, Nonne oder Lehrerin zu werden – oder beides, wie im Fall der Breme-Schwestern. Die späteren Matres Theresia und Ignatia Breme treten – wie auch später ihre jüngere Schwester Josefa Agnes Breme – in den Ursulinenorden ein. Theresia Breme schließt die Ursulinenschule im niederländischen Nijmegen mit dem Lehrerinnenexamen ab. 1904 übernimmt sie die Leitung der Haselünner St. Ursula-Schule. Sie ist eine der ersten Lehrerinnen mit Universitätsausbildung in der Region.
1854 hatten die Ursulinen die Schule übernommen, die auf ein Klarissenkloster zurückgeht. Schon im 19. Jahrhundert hat die Einrichtung einen guten Ruf. Sie wird zum Beispiel von der Dortmunderin Agnes Neuhaus besucht, die später den Sozialdienst Katholischer Frauen gründet. Mater Theresia Breme arbeitet während ihrer Amtszeit kontinuierlich daran, die Bildungschancen für Mädchen weiter zu verbessern. So macht sie aus der „Höheren Töchterschule“ ein Mädchengymnasium mit Abituroption. Dies steigerte die Attraktivität der Schule noch einmal. Mit der Gründung eines Kindergartens 1918 erweitern die Ursulinen das pädagogische Angebot.
Bildung als Akt der Emanzipation
Mater Theresia Breme führt zudem einen naturwissenschaftlichen Zweig ein und lässt einen Physikraum einrichten – eine Seltenheit für die damalige Zeit. Die Schulleiterin versucht mit allen Mitteln, die Schließung der Ursula-Schule durch die Nationalsozialisten zu verhindern – vergebens. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs gelingt es ihr jedoch, den Schulbetrieb wieder aufzunehmen. 1950 stirbt Mater Theresia Breme. Was bleibt: Zahlreiche Schülerinnen, die dank ihres Engagements und dem der Ursulinen berufliche Wege einschlagen konnten, die zuvor Männern vorbehalten waren. Die Schulleiterin war überzeugt, dass Bildung Mädchen und Frauen emanzipieren kann – im damaligen Emsland eine geradezu revolutionäre Haltung.
Ihre Schwester Mater Ignatia Breme unterrichtet ebenfalls in Haselünne. Von 1917 bis 1923 ist sie Leiterin des Ursulinenklosters, danach geht sie nach Berlin. Dort ist sie von 1925 bis 1929 als Sekretärin von Eugenio Pacelli tätig, dem späteren Papst Pius XII. In der 1930er-Jahren übersetzt sie zudem verschiedene religiös geprägte Texte aus dem Englischen und Norwegischen und pflegt regen Kontakt zu der norwegischen Literaturnobelpreisträgerin Sigrid Undset. Heute ist Mater Ignatia Breme vor allem als Co-Autorin des anerkannten Lehrbuchs „Deutsches Lesebuch für höhere Mädchenschulen“ (1910) bekannt.
 
Vollständiger Name: Theresia Josefa Breme
Geboren: 14. Februar 1873 in Recke
Verstorben: 1950 in Haselünne
Beruf: Ursulinenschwester, Schulleiterin
 
Vollständiger Name: Maria Ignatia Breme
Geboren: 28. Dezember 1876 in Rhede (Westfalen)
Verstorben: 8. Juli 1936 in Berlin
Beruf: Ursulinenschwester, Lehrerin, Autorin, Übersetzerin
Bezugspunkt im Emsland: Kreisgymnasium St. Ursula (Klosterstraße 1, 49740 Haselünne)

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