FrauenWEGE – Jutta Giersch

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Von der politischen Gefangenen zur ersten Gleichstellungsbeauftragten des Emslands: Jutta Giersch.
Der 13. Oktober 1949 verändert das Leben von Jutta Giersch – damals noch Jutta Kubowski – für immer. Eigentlich will die junge Journalistin nur nach Hause, doch der Fahrer entpuppt sich als Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes. Er verschleppt die im 3. Monat schwangere Jutta Kubowski und ihren Kollegen nach Ostberlin. Vor einem sowjetischen Militärtribunal wird sie anschließend zu 25 Jahren Zwangsarbeiterlager verurteilt. Der Vorwurf: „Spionage und antisowjetische Propaganda“.
Als freiberufliche Journalistin hatte sie für die antikommunistischen Westberliner Zeitungen „Telegraf“ und „Der Abend“ geschrieben – unter anderem über anmaßendes Verhalten von sowjetischen Besatzungsoffizieren. Nach ihrer Verurteilung wird Jutta Kubowski zunächst im ehemalige KZ Sachsenhausen und später im Zuchthaus Hoheneck interniert. Dort gebärt sie eine Tochter, die man ihr nach sechs Wochen wegnimmt. Insgesamt verbringt sie sieben Jahren in ostdeutschen Gefängnissen, bevor sie 1956 begnadigt wird.
Die Auswirkung totalitärer Regime muss Jutta Kubowski schon früh erfahren. Mit 16 Jahren wird die gebürtige Berlinerin während des Zweiten Weltkriegs zum Dienst im Deutschen Roten Kreuz verpflichtet: „Ich hatte das Schreien und Wimmern Verschütteter und Sterbender erlebt und Überlebende wie irre vor Entsetzen umherrennen sehen müssen“, erinnert sie sich später. Nach dem Krieg beginnt sie in Hamburg ihre journalistische Tätigkeit mit kleinen Lokalreportagen. Versteckt im Kohletender einer Lokomotive kehrt Jutta Kubowski 1946 nach Berlin zurück.
Umzug ins Emsland
Zwei Jahre nach ihrer Entlassung aus sowjetischer Haft heiratet sie Franz-Josef Giersch, der seinerseits zehn Jahre aus politischen Gründen in sowjetischer Haft war. Die beiden ziehen nach Heidelberg, wo Jutta Giersch für einen Versicherungskonzern arbeitet. Nebenberuflich ist sie weiterhin als Journalistin tätig. 1976 zieht die Familie nach Twist, da Franz-Josef Giersch hier eine Landarztpraxis übernimmt. Im selben Jahr stirbt der gemeinsame Sohn bei einem Autounfall. 1978 wird Jutta Giersch Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus. Mit großem Engagement setzt sie sich dafür ein, das erlittene Unrecht nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dafür erhält sie das Bundesverdienstkreuz.
Einsatz für Frauen
Damit endet Jutta Gierschs Engagement aber noch nicht: Sie ist auch Mitglied des Twister Gemeinderats sowie des Kreisrats. Außerdem ist sie Mitbegründerin und 1. Vorsitzende der Beschäftigungsinitiative Meppen (BIM), die sich für die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt einsetzt. Es entsteht unter anderem eine „Frauenwerkstatt“, die zum Beispiel gering qualifizierten Frauen neue Tätigkeiten vermittelt.
1987 wird Jutta Giersch die erste „Frauenbeauftragte“ des Landkreises Emsland. Sie vernetzt unter anderem die Frauenbeauftragten der Kommunen und setzt sich besonders dafür ein, dass gewerblich-technische Berufe für Frauen geöffnet werden. An manchen Tagen verbringt sie 16 Stunden an ihrem Arbeitsplatz, um ihre Ideen und Projekte voranzutreiben. Anlässlich der Verleihung der Emslandmedaille würdigte der damalige Landrat Josef Meiners ihre Arbeit: „Sie haben weit über die Grenzen des Landkreises Maßstäbe gesetzt.“
 
Vollständiger Name: Jutta Giersch, geb. Kubowski
Geboren: 29. April 1928 in Berlin
Verstorben: 17. November 1992 in Twist
Eltern: Vater Kaufmann
Position: Journalistin, Politikerin, Aktivistin, Gleichstellungsbeauftragte
Auszeichnung: Bundesverdienstkreuz, Emslandmedaille
Bezugspunkt im Emsland: Rathaus Twist (Flensbergstraße 7, 49767 Twist)

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