FrauenWEGE – Maria Mijalski

  • Historische Stätte
Die Förderung von Menschen mit Behinderung war ihr Herzensanliegen: Pädagogin Maria Mijalski.
Es ist der 4. Dezember 1967: In Twist startet das erste Beschäftigungsangebot für Jugendliche mit Behinderungen – im Wohnhaus von Maria und Hubert Mijalski. Es ist das erste Angebot dieser Art im Altkreis Meppen. Auch in den anderen emsländischen Kreisen sowie in der Grafschaft Bentheim gibt es keine vergleichbare Einrichtung. Das Ehepaar Mijalski hat selbst drei Kinder mit Behinderungen, denen es Teilhabe ermöglichen möchte. Die Idee dazu hatten die Mijalskis aus Düsseldorf mitgebracht. 1968 rufen sie den Verein „Beschützende Werkstatt e.V.“ ins Leben, dem die Gemeinde das ehemalige Schulgebäude in Hesepertwist zur Verfügung stellt. Dort falten zunächst fünf Jugendliche Versandkartons für eine Brüterei. In den folgenden Jahren entwickelt sich der Verein rasant weiter. Ab 1971 arbeitet er mit der „Kinderhilfe Meppen“ zusammen. Daraus entsteht die heutige Vitus GmbH, eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Behinderungen im mittleren Emsland.
Lehrerinnenkarriere mit Unterbrechungen
Als Kriegswaise – ihr Vater stirbt 1923 an einer im Ersten Weltkrieg zugezogenen Erkrankung – hat Maria Mijalski, geb. Dierkes, keine leichte Kindheit. Dank der Unterstützung eines Dechanten kann sie jedoch 1935 das Abitur in Vechta ablegen und 1938 in Beuthen (heute: Bytom, Polen) die Lehrerprüfung absolvieren. Dort lernt sie auch ihren späteren Ehemann Hubert Mijalski kennen. Maria Mijalski tritt 1938 eine Stelle als Lehrerin an der Volksschule Rühlertwist an. Zeitweise wird sie nach Meppen-Rühle abgeordnet. Um die Schule zu erreichen, muss sie mit dem Rad über Sandwege fahren.
Zum 1. Januar 1947 muss Maria Mijalski ihrer Lehrerinnenkarriere zwangsweise unterbrechen. Die Lehrerstellen gehen an aus dem Krieg zurückkehrte Pädagogen – darunter Maria Mijalskis eigener Ehemann. Verheiratete Lehrer wurden damals vorrangig eingestellt, gefolgt von unverheirateten Männern, unverheirateten Frauen und verheirateten Frauen. Erst 1953 steigen die Schülerzahlen so weit an, dass Maria Mijalski in den Schuldienst zurückkehren kann. Verheiratete Lehrerinnen mit Kindern sind zu dem Zeitpunkt immer noch eine Seltenheit. Ab 1975 unterrichtet sie im damaligen Schulzentrum Twist.
Ihr Engagement für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen war nicht Maria Mijalskis einzige ehrenamtliche Aktivität. Im Ruhestand gibt sie Nachhilfe, bereits 1968 gründet sie die Volkstanzgruppe Twist. Diese gilt als Keimzelle für den 1978 gegründeten Heimatverein. So sagte der stellvertretende Bürgermeister Leoding anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1982: „Vor dem Heimatverein, da war schon Frau Mijalski.“
 
Vollständiger Name: Maria Mijalski, geb. Dierkes
Geboren: 10. Januar 1916 in Handrup
Verstorben: 29. Oktober 1993 in Twist
Eltern: Heinrich Dierkes (Tischler, 1879-1923) und Maria Dierkes, geb. Lampenschulte (1885-1963)
Beruf: Lehrerin
Auszeichnung: Bundesverdienstkreuz
Bezugspunkte im Emsland: Ansgarschule (Ansgarstraße 19, 49767 Twist); Oberschule Twist, (Flensbergstraße 17, 49767 Twist)

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