FrauenWEGE – Polnische Frauen in Haren/Maczków

  • Historische Stätte
Von 1945 bis 1948 wird Haren zu Maczków – und Heimat auf Zeit für polnische Widerstandskämpferinnen.
Es ist der 19. Mai 1945: Der Harener Bürgermeister Hermann Wichers erhält den Befehl, die gesamte Stadt zu evakuieren. Nur wenige Tage haben die rund 3.500 Bewohner Zeit, ihre Häuser zu verlassen. Sie werden auf etwa 30 umliegende Gemeinden verteilt. Der Grund: Aus Haren wird für drei Jahre eine polnische Enklave. Die Stadt heißt nun Maczków. Benannt ist sie nach dem polnischen General Stanisław Maczek. Dieser erinnert sich später, dass die britische Verwaltung überrascht gewesen sei angesichts der tausenden polnischstämmigen Menschen, die in nordwestdeutschen Konzentrations- und Zwangsarbeiterlagern gefangen waren. Ein Teil von ihnen sollte an der Ems eine Heimat auf Zeit finden.
Schulbesuch in Maczków
Maczków beherbergt von 1945 bis 1948 etwa 5.000 Polen, die überwiegend aus Konzentrations- und Gefangenenlagern befreit wurden oder Angehörige des polnischen Militärs waren. Unter den ehemaligen Gefangenen waren etwa 1.700 Frauen aus dem Stalag IV C Oberlangen, die am Warschauer Aufstand teilgenommen hatten. Eine von ihnen ist Anna Lehr-Spławińska (1927-2022). Sie dient nach dem Ausbruch des Warschauer Aufstands als Verbindungsoffizierin und im Kommunikationszug des Unterbezirks der Heimatarmee. Nach ihrer Befreiung aus Oberlangen bleibt sie für ein Jahr in Maczków und besucht die Schule. „Wir hatten vier Jahre verloren“, erinnert sie sich später, „nun hieß es lernen und nochmals lernen.“ Die Schulbücher stammten von der polnischen Exilregierung in London.
Zurück in Polen studiert Anna Lehr-Spławińska Kunstgeschichte und wandert schließlich nach Österreich aus. 1995 kehrt sie für einen Besuch nach Haren zurück. Die Stimmung ist angespannt. Die ehemalige Maczkówerin erklärt: „Es geht darum: Wir sind nicht hier freiwillig da. [Dass wir] überhaupt nach Deutschland gekommen [sind]. Man hat uns angegriffen. Man hat ... unsere Häuser [vernichtet] ... Wir waren nicht schuld [an der Evakuierung] und als wir da waren, mussten wir irgendwo wohnen und [diese Zeit überbrücken].“
Weiter nach England, zurück nach Polen
Irena Zenobia Mydlarzowa geb. Rebandel (1896-1975) schließt sich während des Kriegs den Aktivitäten der Union des bewaffneten Kampfes (ZWZ) an. Im August 1943 wird sie verhaftet und zunächst nach Auschwitz, später nach Bergen-Belsen und schließlich nach Ravensbrück deportiert. In Maczków verbringt sie drei Jahre. Während dieser Zeit organsiert sie Pfadfinderaktivitäten für polnische Jugendliche, die aus deutschen Lagern befreit wurden. 1948 wandert sie nach England aus, wo sie sich weiter dem polnischen Pfadfinderwesen widmet.
Teresa Hildt-Węgrzynowicz (1930-2022) gründet während des Kriegs in Warschau mit ihren Freunden die Geheimorganisation „Czajki“ (Kiebitze) und dient bis zu einer schweren Erkrankung als Verbindungsoffizierin in der polnischen Heimatarmee. Nach dem Fall des Warschauer Aufstands wird sie nach Meschede gebracht, wo sie Zwangsarbeit leisten muss. In Maczków besucht sie die Schule, bevor sie 1946 nach Polen zurückkehrt und schließlich als Dozentin am Staatlichen Museum für Archäologie in Warschau arbeitet.
Im Herbst 1946 beginnt der Rückzug der Soldaten. Ab September 1947 kehren die ursprünglichen Einwohner nach und nach zurück, bevor am 10. September 1948 schließlich Maczków wieder offiziell zu Haren wird.
 
Bezugspunkt im Emsland: Inselmühle – Dokumentationszentrum Maczkow / Haren (Inselmühle 21, 49733 Haren (Ems))

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